Komödie des Triebs
Etwas ist faul im Hause Almaviva. Zwar verläuft David Hermanns Inszenierung von «Le nozze di Figaro» am Luzerner Theater weitgehend in den gewohnten Bahnen – doch wer sind die uniformierten Herren, die im Hintergrund auffällig unauffällig das Geschehen beobachten? Warum hat der Graf immer wieder unerwartete Aussetzer? Und warum ist Basilio so hochneurotisch? Antwort geben die letzten Minuten der Aufführung: Die Uniformierten sind das Personal einer Irrenanstalt, Mozarts Figuren die in unterschiedlichem Maß kranken Insassen, die nun für die Nacht eingesperrt werden.
Das ist als Regiekonzept allzu dürftig. Zudem ist die Idee reichlich abgenutzt. Immerhin könnten der Regisseur und sein Dramaturg Christian Kipper auf die Vorlage der Oper verweisen: Die Komödie von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais heißt schließlich «La folle Journée ou le Mariage de Figaro». Allerdings haben Mozart und sein Librettist Lorenzo da Ponte den ersten Teil dieses Titels mit Bedacht nicht übernommen, und die Partitur stützt die Verlegung ins Irrenhaus natürlich in keinem Moment.
Trotzdem ist der Abend sehenswert. Das liegt zum einen an der sehr sorgfältigen, im Rahmen des Konzepts stimmigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Müßig zu spekulieren, wie sich Händels Schaffen entwickelt hätte, wenn er nach dem Erfolg seiner «Agrippina» in Italien geblieben wäre. Eines allerdings ist sicher: So bissige Töne wie in der 1709 entstandenen Komödie über den Cäsarenhof erlaubte er sich später niemals wieder – schon allein, weil sich in seiner neuen britischen Heimat alles verbot, was als Angriff...
Die «Freischütz»-Version mit vertonten Sprechtexten, die Hector Berlioz 1841, den Gesetzen der Pariser Grand Opéra gehorchend, schrieb, litt unter Richard Wagners Verdikt, sie sei «entstellend und langweilig». Vereinzelte Versuche, sie im deutschen Sprachraum zu etablieren – zuletzt 1997 in Dortmund – fanden eine eher ungnädige Aufnahme.
Die aktuelle in Trier legt...
Es ist verlockend, die «Lieder eines Jahres» mit «Night and Dreams», dem vor Kurzem erschienenen Recital ihrer Fachkollegin Measha Brueggergosman, zu vergleichen. Während die Kanadierin über üppige stimmliche Mittel verfügt, mit ihnen aber nicht genug anfängt, ist es bei Christiane Karg genau andersherum: Das Farbspektrum ihres leichten Soprans ist noch begrenzt,...
