Komm, süßer Tod
Søren Kierkegaard war nicht nur ein begnadeter Philosoph und ausgefuchster Menschen(schwächen)kenner, er besaß zudem eine tiefe Neigung für die Kunst, speziell die Musik. Mit Blick auf den «Don Giovanni» prägte Kierkegaard in seinem geschichtsphilosophischen opus magnum «Entweder – Oder» den Begriff des «Sinnlich-Genialen» – nicht ohne einzuschränken, die sinnliche Liebe bedeute ein Verschwinden in der Zeit, welches eben Mozarts Musik zum Ausdruck bringe.
Und gerade darin liegt die Verdammnis des Titelhelden: Jede seiner Verführungen ist im Moment ihres Gelingens bereits Vergangenheit, jeder Sieg verwandelt sich augenblicklich in die Erinnerung an diesen Sieg; Giovanni ist, auf Gedeih und (diabolisches) Verderben, dem Zwang zur Wiederholung ausgeliefert und kann doch seinem Schicksal nicht entgehen.
Mozart erkannte dies. Nicht nur spiegelt die Gattungsbezeichnung dramma giocoso den dauerhaften Umschlag von der Komödie in die Tragödie. Schon die Ouvertüre ist Signifikat dieses dialektischen Prozesses: Der Beginn dunkel-dämonisch in d-Moll, jener Tonart, die auch später, bei Verdi, Puccini et ceteris Synonym für dräuendes Ungemach ist; plötzlich die Wendung nach Dur, ins ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
Er debütierte als Tamino in Zauberflöte; er verkörperte wichtige Rollen im Bettelstudent, Orfeo (Monteverdi), Die Meister-Sänger von Nürnberg, Gärtnerin aus Liebe, Antigone, Der Revisor, Così fan tutte, Entführung aus dem Serail, Der Wildschütz, Barbier von Siviglia, Alcina, Die schweigsame Frau und Oedipus der Tyrann. Er tritt regelmäßig an den Staatstheatern in...
Was man denn bevorzuge? Ein Fragebogen findet sich irgendwann im Mail-Eingang, «mehrfaches Ankreuzen sehr erwünscht»: Schubertiade? Kindergeburtstag? Fußbad? Zuhören und/oder Mitsingen? «Regno della musica – Terra», das zielt quasi auf Kunst à la carte. Ortstermin in der Münchner Fürstenstraße also. Man schaut einer temporären WG beim Proben und Kochen zu, führt,...
