Klein ist spitze
Hier der Stolz der Blaublüter, derer von Sachsen-Coburg, dort der Stolz der mittelhessischen Bürgerschaft, die ihren Musentempel einst selbst finanzierte: Weiter auseinander können Gründungsakte und Tradition kaum liegen. Viel Selbstbewusstsein tanken Coburg und Gießen aus ihrer Vergangenheit, auch weil sie sich heute gegen die Dickschiffe der Szene behaupten müssen – und dabei Saison für Saison zu erstaunlichen Ergebnissen kommen. Die Gemeinsamkeiten sind also doch größer, als man der Historie auf den ersten Blick entnehmen mag. Bis hin zu den aktuellen Generalmusikdirektoren.
Beide Häuser leisten sich mit Roland Kluttig (Coburg) und Michael Hofstetter (Gießen) zwei Fremdgeher. Dirigenten, die seit Jahren in fester, glücklicher Beziehung mit ihrem Haus leben, sich aber immer wieder Seitensprünge mit prominenten Opernbräuten gönnen. Und das Beste: Die Affären sind sogar erwünscht.
Kluttig, seit 2010 in Coburg Chef und mit weithin beachteten Gastspielen in Nizza, Frankfurt, Mannheim («Böse Geister» von Adriana Hölszky) oder zuletzt in der grandiosen Stuttgarter «Salome» präsent, ist ins Amt mehr oder weniger überraschend gekommen. Vielleicht gerade weil der 48-Jährige nach eigenem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Porträt, Seite 60
von Markus Thiel
Norma hat Angst. Was, wenn ihre verbotene Liebe zu Pollione auffliegt? Aber auch Pollione hat Angst. Die gemeinsamen Kinder sowieso, von Polliones neuer Geliebten Adalgisa ganz zu schweigen. Nadja Loschky zeigt diese Ängste in einer Pantomime zur Ouvertüre, mit klaren Gesten Bellinis Musik folgend, ebenso sensibel wie genau.
Am Ende der Ouvertüre fällt der Vorhang...
Lyon, 22. März 2016: Vor der Vorstellung von «Benjamin, dernière nuit» tritt jemand vor den Vorhang und bittet um mitfühlendes Schweigen für die Opfer der Brüsseler Anschläge am Morgen des gleichen Tages. In der Stille denken wir daran, wie sehr diese Karwoche Leid und Tod ohnehin in den Mittelpunkt rückt. Und dass Gottes Name schon immer zur Rechtfertigung von...
Es war ein Kuriosum der Operngeschichte, eine Art Doppel-Uraufführung in einem Zeitraum von vier Monaten: Im Dezember 1925 kam an der Berliner Staatsoper Alban Bergs «Wozzeck» heraus, die grandiose Vertonung des grandiosen Büchner-Dramas; im April 1926 brachte das Stadttheater Bremen eine Opernfassung desselben Stoffes von seinem damaligen Generalmusikdirektor...
