Klassenkampf: Glucks «Clelia» in Athen
Die Berichte über die Unruhen vom Abend des 12. Februar prangten noch auf den Titelseiten der Tagespresse, da waren die meisten Brandspuren schon wieder vom Syntagma- und Omonia-Platz in der Innenstadt Athens beseitigt. Nur 48 Stunden später spielten sich ganz ähnliche Szenen auf der Bühne des modernen Multiplex-Saales Megaron Mousikis ab: Transparente, geballte Fäuste, Nahkampfszenen, Proteststürme, beschädigte Gebäude. Man gab «Il trionfo di Clelia» – eine Oper, die Christoph Willibald Gluck zur feierlichen Eröffnung des Bologneser Teatro Comunale im Jahre 1763 komponiert hatte.
Die Helden der jungen römischen Republik, Orazio und seine Verlobte, die junge Patrizierin Clelia, werden in der Inszenierung von Nigel Lowery als Revolutionäre des 20. Jahrhunderts porträtiert, im Kampf gegen das reaktionäre Establishment. Letzteres verkörpern der Etrusker-König Porsenna und Tarquinio (der Jüngere), ein finsterer Verräter mit Vergewaltigungsfantasien, der Pläne zur Wiedererlangung seines römischen Familienthrons schmiedet. Mit Zylindern auf dem Kopf und in vampireske schwarze Umhänge gewandet, hantieren die beiden spielerisch mit Fernrohren und Totenschädeln, während sie vor dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2012
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Carlo Vitali
Bei Premierendaten Angabe der Namen in folgender Reihenfolge:
Musikalische Leitung, Inszenierung,Bühnenbild u. Kostüme - Solisten
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
Mat. = Matinee
N. = Nachmittagsvorstellung
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44, 0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
• Purcell, King Arthur: 1. (P), 7., 13., 27. (Hiemeyer, Hirche, Grau)
• Un ballo in maschera: 5.,...
Kurz vor seinem 75. Geburtstag wagte sich Claudio Abbado zum ersten Mal an Beethovens «Fidelio». Die Aufführung, im Frühjahr 2008 nacheinander in Reggio Emilia, Baden-Baden, Madrid, Ferrara und Modena gezeigt, wurde von den angereisten Kritikern als musikalische Offenbarung empfunden. Zwei Jahre später nahm sich der Dirigent das Werk beim Lucerne Festival noch...
Er habe, lässt Roberto Alagna im Booklet seines Crossover-Albums «Pasión» mitteilen, die darin präsentierten südamerikanischen Lieder «auf keinen Fall in die samtig-goldene Atmosphäre der Opernhäuser versetzen wollen». Vielmehr suchte er «die Schlichtheit und Leidenschaft der Tanzlokale». Das klingt, als wolle der Tenor, der nach eigener Aussage sein erstes Geld...
