Klangzauber
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und auch fand. Und dann, in diesem großen Moment, ins Jenseits hinüberfuhr, und obwohl das alles so unglaublich traurig ist, doch ein ungeheures Entzücken über der Szene lag.
«L’Amour de loin», Kaija Saariahos erstes Opus für das Musiktheater, hatte an diesem Abend die richtigen Interpreten gefunden. George Tsypin hatte den wunderbar zeitlosen Raum gestaltet, Peter Sellars darin in schlichter, ergreifender Manier Regie geführt, Esa-Pekka Salonen das Orchester der Finnischen Nationaloper mit einer Mischung aus Clarté, Klangsinn und hauchzarter Sinnlichkeit durch die irisierende, schlüssig konzipierte, ungemein organische, modal-mikrotonal gefügte Partitur geführt und dabei gar nicht viel tun müssen, um die Sänger Dawn Upshaw als Cleménce, Gerald Finley in der Partie des Jaufré Rudel und Monica Groop (Pilger) zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer...
Wenn man von Vilnius kommt, erhebt sich die mittelalterliche Wasserburg Trakai mit ihren Dornröschen-Türmen wie im Märchen aus dem sanft umwaldeten Galve-See. Hier könnte sich der Prolog von Amilcare Ponchiellis Historienoper «I Lituani – Die Litauer» (1874) zugetragen haben. Die drei folgenden Akte spielen 500 Kilometer westlich auf der Marienburg bei Danzig....
Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen...
