Klanggedächtnis
Herkulesaufgabe? Sisyphusarbeit? Man darf sich in der Beschreibung von Christian Merlins Jubiläumsgabe zur 175. Wiederkehr des Geburtstags der Wiener Philharmoniker durchaus aus dem Mythos der Antike bedienen. Natürlich könnte man auch Goethe zitieren: «Nur das Leichtere trägt auf leichten Schultern den Schöngeist. Aber der schöne Geist trägt das Gewichtige leicht ...»
Und gewichtig ist dieses zweibändige, insgesamt 640 Seiten umfassende Standardwerk sicherlich, was nicht nur die Waage und der Preis bestätigen, sondern auch die Lektüre. Ungewöhnlich Merlins Prozedere.
Der Pariser Musikwissenschafter und Kritiker formte das geschichtliche Bild dieses Orchesters aus den individuellen Biografien der Instrumentalisten. Dafür erstellte er Dateien aller 851 Mitglieder des Orchesters seit dem Gründungsjahr 1842 und erarbeitete eine Genealogie sowohl hinsichtlich der Familienbeziehungen als auch der Abfolge der Besetzungen der einzelnen Pulte. Im ersten Band nutzt er dies für eine sehr leserfreundliche Geschichte des Klangkörpers; der zweite ist eine alphabetisch-lexikalische Auflistung der Instrumentalisten (zu denen im Übrigen seit 20 Jahren auch Frauen zählen; nach heutigem Stand etwa ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Gerhard Persché
Wie das von der Markgräfin Wilhelmine verantwortete Musiktheater aussah, sofern es nicht Opern eines Starkomponisten nachspielte, lässt sich an «L’Huomo» studieren. 1754 kam diese «Festa teatrale» im Markgräflichen Opernhaus heraus – eine Mischform, die Elemente der italienischen Opera seria ebenso aufgriff wie der französischen «Fête en Musique». Von Wilhelmine...
Benedikt von Peter ist Herr über ein Haus mit den Ausmaßen einer Puppenstube, aber er denkt gar nicht daran, deshalb kleine Brötchen zu backen. Seine Intendanz in Luzern hat bislang ein Theater produziert, das sich nicht einsperren lässt, sondern die Stadt konsequent in Besitz nimmt, sich einmischt und mit kühnen Ideen Gehör verschafft statt mit Krawall und Getöse....
Zum ersten Mal wurde in Russland eine Oper von Jean Baptiste Lully aufgeführt. Und weder Kritiker noch Publikum waren erstaunt, dass dieses Ereignis nicht in einer der beiden Opernhauptstädte stattfand, sondern in Perm, im Reich Teodor Currentzis’ (als Koproduktion mit der Opéra Royal du Château de Versailles). Dort haben schon Peter Sellars und Robert Wilson...
