Kistenweisheit
Man darf skeptisch sein, wenn Regisseure eine Holzkiste auf die Bühne stemmen. Besonders im Schauspiel soll das heißen: Wir spielen hier aus dem Theaterkarren heraus – Molière und Mutter Courage lassen grüßen. In Hannover gibt es jetzt in der Neuinszenierung von Brittens «Peter Grimes» nicht nur eine Kiste, sondern fünfhundertdreiundzwanzig (nach Auskunft des Opernhauses, zählen kann man sie nicht alle). Und die können vieles einstecken.
Schon zu Beginn markieren sie in Hufeisenform die Versammlungshalle, in der die Untersuchung gegen Peter Grimes stattfindet, dessen Schiffsjunge unter ungeklärten Umständen starb. Wenn der schroffe Schiffer in den Zeugenstand gerufen wird, heißt das schließlich «Will you step into the box». Ganz zum Schluss tritt Peter Grimes noch einmal in eine Kiste, die jetzt das Schiff darstellt, mit dem sich der Außenseiter selbst versenkt. Dass danach die leere Kiste abgeräumt wird wie ein überflüssiges Requisit, ist der Schlusspunkt einer Inszenierung, in der Regisseur Barrie Kosky und sein Bühnenbildner Florian Parbs zeigen, wie man dieses Drama eines Eigenbrötlers spannend versinnbildlicht. Und das ganz ohne Fischer(ei)-Folklore.
Barrie Kosky (den ...
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