Kantig bis zackig
Die legitime Erbin der von Spontini in die Welt gesetzten Vestalin war ein Erfolg sondergleichen. Doch wie so viele Werke des 19. Jahrhunderts, die den Zeitgeist trafen und das Publikum in Scharen anlockten, geriet auch Saverio Mercadantes «La Vestale» in Vergessenheit, obwohl sie nach der Uraufführung am 10. März 1840 in Neapel binnen fünf Jahren in Paris, Wien, Berlin und mindestens zweiunddreißig italienischen Städten gespielt wurde.
Wie ist das Werk einzuordnen? Antwort gibt Mercadante selbst, der über seine «Vestalin» in einem Brief über die Reformoper von 1838 schreibt: «Ich habe die mit ‹Il giuramento› begonnene Revolution weitergeführt, Formen verändert, triviale Cabaletten verbannt, Crescendi verscheucht und vokale Linien vereinfacht; es gibt weniger Wiederholungen, einige Neuheiten in den Kadenzen; die Betonung liegt auf dem Drama, das Orchester ist voll, ohne aber die Stimmen zu überwältigen, und es gibt keine langen Soli in den Ensembles.»
Paolo Arrivabeni animiert die Philharmoniker aus Krakau zu einem selbstbewussten Spiel voller Italianità: kantig, aber auch melodisch; stürmisch, aber auch süßlich; zackig und immer rhythmisch konsequent. Der Chor des Wexford ...
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