Kampf der Geschlechter
Plüschig geht es nicht zu im Palast von Mustafà, dem Bey von Algier. Mag das Théâtre du Capitole auch ein wenig nach Puppenstube aussehen – auf der Bühne herrscht die blanke Moderne. Der Bey bewohnt ein Penthouse, natürlich mit Meerblick. Alles ist blendend weiß und sehr übersichtlich. Hier gibt es keine Serailgemütlichkeit, aber auch keine islamistischen Gebräuche. Alkohol fließt reichlich, und statt Vermummten bekommen wir eine Unterwäschemodenschau vorgeführt.
Die Damen sehen aus, als hätten sie sich in der Erotikabteilung von H&M eingekleidet, im zweiten Akt gibt es sogar einen vollwertigen Striptease – so ästhetisch, dass die striptiseuse zu Recht im Programmheft namentlich genannt wird.
Dabei ist diese Inszenierung ganz und gar keine sexistische Show, was bei diesem Plot – eine vermeintlich unterworfene Frau wird zur Herrscherin über die Herzen und sagt an, wo’s langgeht – auch unglaubwürdig wäre. Regisseurin Laura Scozzi hält stattdessen als Schlusspointe noch eine feministische Zuspitzung parat. Bei ihr macht sich der Bey nicht nur zum Narren, indem er sich zum pappataci küren und als solcher allen Argwohn beiseite lässt, um sich auf den Genuss und den Müßiggang zu ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Rainer Wagner
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