Kalkulierter Rausch

Verdi: Aida
Braunfels: Die Vögel
Tiroler Festspiele | Erl | Festspielhaus

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Scheibchenweise geht das bei den Tiroler Festspielen. Und den Überblick haben eigentlich alle verloren, die nicht regelmäßig im Saal des Innsbrucker Gerichts dabei sind. Eine der Entscheidungen in Sachen Gustav Kuhn sticht heraus: Sexuelle Übergriffe in Erl hat die Gleichbehandlungskommission inzwischen bestätigt, rechtliche Wirkung hat das (noch) nicht. In den letzten Wochen der alten Ära, die von Kuhns Ex-Adlatus Andreas Leisner als Interimsintendant betreut wird, ist ohnehin die Perestroika angebrochen. Die Regiesprache betrifft das, aber auch die Besetzungspolitik.

Eine «Aida» fast nur in Frauenhand – ein Schelm, wem da nicht eine Art Ablassversuch schwant.

Daniela Kerck (Regie, Bühne) denkt gar nicht daran, zwei Völker aufeinanderprallen zu lassen. Im kühlen Einheitsraum, der gern mit genau gezirkelten Stuhlreihen bestückt wird, erzählt sie  vom Kampf zwischen den Geschlechtern. Von Vergewaltigung der Sklavinnen durch die Guerillatruppe um Ramfis, von der Engstirnigkeit und Kriegsbesoffenheit der Kerle, von einer Welt, aus der es für Aida und Radamès kein Entrinnen gibt. «Nicht ihr Frauen verfügt über euren Leib, sondern der Mann»: Mit projizierten Sprüchen wird dem hier ...

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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Markus Thiel

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