Jahrhundert der Probeläufe
Das Spektrum ist groß. Immens groß. Es reicht von Loïe Fullers innovativem Tanz um 1900 bis zu dessen Vereinnahmung durch das Video, von Hindemiths Einaktern bis zu modernen Blinden- und Gerhörlosenstücken. Das experimentelle Musik- und Tanztheater des 20. Jahrhunderts auf knapp 400 Seiten zu einer Art Handbuch zu verknappen, ist so schwierig, wie den Kölner Dom in Echtgröße als 3-D-Puzzle abzubilden.
Dennoch haben sich Frieder Reininghaus und Katja Schneider als Herausgeber an dieses kühne Unternehmen gewagt und einen in seiner Informationsdichte üppigen, von der Ergebnisvielfalt her erwartbar disparaten Band vorgelegt.
In den Beiträgen der mehr als vierzig Autoren wird immer wieder deutlich, wie wenig historische Distanz und, damit verbunden, wie wenige Klassifizierungsmodelle es bis dato gibt, um das vergangene Jahrhundert systematisch zu erfassen – ein Problem, das sich allein schon an der Unterschiedlichkeit von Opernlibretti festmachen lässt. Die Bandbreite erstreckt sich von herkömmlichen narrativen Textvorlagen bis zu Werken wie Rihms «Eroberung von Mexico», denen jede Form einer klar definierten Handlung und Personenkonstellation fehlt. Die einzelnen Aufsätze zeichnen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Hauptstadt der Region Lothringen Nancy, einstige Residenz der lothringischen Herzöge, bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor: In diesem Jahr wird der 250. «Geburtstag» der 1755 eingeweihten Place Stanislas gebührend gefeiert – der damals aus Polen vertriebene König Stanislas I. Leszczynski hatte seinen Baumeister Heré mit der Gestaltung der heute immer noch...
Es ist eine tieftraurige und ungewöhnliche Geschichte, die uns die Pariser Komponistin Isabelle Aboulker und ihr Librettist Christian Eymery sowie eine Hundertschaft von acht- bis vierzehnjährigen Sängerinnen und Sängern erzählen, eine Geschichte aus der fernen Historie und doch in mancher Hinsicht erschreckend aktuell: Vor der Côte d’Azur, zwischen Cannes und...
Es wäre ja so leicht, den Allegro-Molto-Teil der «Don Giovanni»-Ouvertüre vorzubereiten, meinte Peter Gülke auf dem jüngsten Symposion im Berliner Institut für Musikforschung. Ein dezenter Auftakt am Ende des einleitenden Andante, schlagtechnisch kein Problem. Genau das machte Furtwängler aber nicht. Er riskierte mit dem Allegro einen Neuanfang, beließ damit dem...
