Irrsinn Europa
Da ist es wieder, das große «Bla Bla». Gab es 26 Jahre lang nicht mehr live zu hören. Wer wollte, behalf sich in dieser Zeit mit dem Mitschnitt der Mannheimer Uraufführung 1987. Oder, ganz anders, aber ähnlich krass, mit dem Hörspiel, das die Einstürzenden Neubauten drei Jahre später aufnahmen. Zu dieser Zeit, Ende 1990, war Wolfgang Rihms Oper schon von den Spielplänen verschwunden. Sie hatte nur drei Inszenierungen erlebt, nach Mannheim eine in Freiburg und eine in Hamburg.
«Die Hamletmaschine»: «Ich war Hamlet.
Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung Bla Bla, im Rücken die Ruinen von Europa.» Zwei große Trommeln setzen ein, zwei Hämmer, überhaupt eine enorme perkussive Wucht, ein Krachmacher-Tuttiklang, der jedes Wort zermalmt, jedes der Worte, die zuvor bleischwer auf die Bühne fielen, gesprochen von Hamlet, dem alten Schauspieler – Hamlet gibt es in der Folge auch als jungen Schauspieler und als Bariton. Sie alle stehen in den Ruinen Europas, nein, die sind ja in deren Rücken. Also sind sie jenseits der Ruinen, postapokalyptisch.
Drei Rätsel. Das eine beschäftigt seit Langem, ehrfürchtig und angsterfüllt, das Sprechtheater: Wie konnte Heiner Müller 1977 diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 41
von Egbert Tholl
Gleich mit zwei neuen Stücken bereicherte Georg Friedrich Haas die vergangene Spielzeit: Im November 2015 stellte Londons Royal Opera House «Morgen und Abend» auf ein Libretto von Jon Fosse vor, koproduziert mit der Deutschen Oper Berlin. Im Mai 2016 folgte in Schwetzingen und kurz darauf in Darmstadt «Koma» nach einem Text von Händl Klaus, die «Uraufführung des...
Fünfmal wurde Stuttgart von den Kritikern dieser Zeitschrift während der Ära Zehelein zum «Opernhaus des Jahres» gewählt, zuletzt 2006 im Abschiedsjahr des Intendanten. Klaus Zeheleins Nachfolger Albrecht Puhlmann hat dieses Prestige, trotz manch gelungener Premiere während seiner fünfjährigen Amtszeit, gründlich verspielt. Ebenso viel Zeit benötigte Jossi...
Bellinis «Puritaner», Stuttgart 2016: Historische Imagerie
Wieler/Morabito entfesseln auf Anna Viebrocks genial verschachtelter Szene – einer ruinösen, jetzt als Versammlungsraum, aber auch als Abstellschuppen genutzten Kirche – eine präzis konnotierte, bis ins Letzte ausgefeilte Bilderflut, die das verschachtelte Ineinander von historischem Rahmen und...
