Intuition und Vertrauen
Herr de Caluwe, La Monnaie ist das erste «Opernhaus des Jahres», das nicht im deutschsprachigen Raum steht. Hat der Titel deshalb für Sie einen anderen Stellenwert?
Natürlich gelten einige Faktoren für uns ebenso wie für ein deutsches Haus: der Effekt auf das Publikum, die motivierende Wirkung in das Haus hinein. Aber davon abgesehen hat die Wahl zum «Opernhaus des Jahres» für La Monnaie tatsächlich eine ganz spezielle Bedeutung. Denn für mich war immer wichtig zu betonen, dass wir ein europäisches Opernhaus sind: das Opernhaus der Hauptstadt Europas.
In diesem Sinne gehören Deutschland und Frankreich ebenso zu Brüssel wie wir zu Deutschland und Frankreich. Und ich glaube, dass wir aus diesem Grunde auch eine ganz besondere Aufgabe haben: Schon meinen Vorgängern Gerard Mortier und Bernard Foccroulle ging es darum, mit den Mitteln der Kunst zu zeigen, dass die vielfältigen nationalen Ausprägungen der europäischen Kultur ein funktionierendes, harmonisches Ganzes ergeben, ohne dass die Individualität der einzelnen Stimme deshalb verloren geht. Dazu gehört, dass wir dieses gemeinsame Erbe in einem kollektiven Prozess weiter entwickeln müssen – denn nichts anderes signalisiert ja die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 10
von Peter de Caluwe
Sechs Töne sind es, die Lisa auf dem weißen Sonnendeck bedrängen. Ein kurzes, schlichtes Motiv in Quart-, Terz- und Sekundschritten. Nichts Besonderes eigentlich. Und doch brennt sich sofort ein, was Oboe und Fagott da pianissimo und staccato in die Tanztee-Idylle an Bord des Dampfers blasen, der Lisa und Walter nach Brasilien bringen soll. Die ehemalige...
Ein gutes Opernhaus erkennt man nicht zuletzt daran, dass es in der Lage ist, gelegentlich über den Radius seiner Möglichkeiten hinauszuwachsen: daran, dass irgendwann im Laufe des siebenwöchigen Probenprozesses oder zuweilen auch erst in den Aufführungen jene katalysierende Reaktion einsetzt, die aus dem Ganzen mehr werden lässt als die Summe seiner Teile und die...
Eine Ära war es nicht. Eher eine Lehrzeit. Albrecht Puhlmann würde sicher vieles anders machen, wenn er in Stuttgart noch mal als Intendant anfangen könnte. Nun ist aber nach fünf Jahren Schluss. Was niemand vermutet hätte, als der gelernte Dramaturg (und in Basel wie Hannover erfolgreiche Opernchef) sein Amt antrat. Der folgende Beitrag versucht, eine faire Bilanz...
