Kolloraturen gegen die Apokalypse
Frau Kermes, Sie haben Ihre Kollegin Cecilia Bartoli vor Kurzem auf Twitter gedisst, wegen des Covers der «Farinelli»-CD, wo sie ausschaut wie Conchita Wurst …
Naja, Conchita Wurst gibt’s ja nicht mehr, sie ist längst wieder ein Mann mit kurzen Haaren. Außerdem hatte Farinelli nie einen Bart. Mir tut es einfach leid, weil viele Menschen sich darüber lustig machen. Das hat sie ja gar nicht nötig.
So ein Foto hätte man Ihnen auch zugetraut ...
Aber ist das was Neues? Kann man damit noch irgendwen schockieren? Wichtig ist doch der Inhalt.
Warum macht man ein Album? Ich will Menschen mit meiner Musik berühren. Ich möchte sie aufwecken, sie zum Handeln bewegen, denn wir steuern ja längst auf die Apokalypse zu: Klimawandel, Artensterben, Terrorattacken. Die Menschheit ist dabei, sich selbst zu erledigen. Wir müssen wieder die richtige Balance suchen, die wahre Mitte, wir haben eine Verantwortung für die nächsten Generationen. Das ist das Konzept meiner CD «Inferno e Paradiso»: Die sieben himmlischen Tugenden treffen auf die sieben Todsünden.
Sie singen da unter anderem «Poker Face» von Lady Gaga, direkt danach «Erbarme Dich» aus Bachs «Matthäuspassion». Wollen Sie selbst irgendwen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Stallknecht
Keine Zeitmaschine diesmal. Regisseur Davide Livermore hat «Tosca» weder ein Update verpasst noch ihre Handlung aus der Altstadt Roms verlegt. Die Kirche Sant’Andrea della Valle, der Palazzo Farnese, das Castel Sant’Angelo – alle in Puccinis Partitur geforderten Postkarten-Schauplätze sind da. In Bildern, die die Hightech-Bühnenmaschinerie an der Scala auf Trab...
Frau Sarré, es heißt, in den Familien werde nicht mehr gesungen.
Leider. Die musikalische Prägung ist enorm wichtig. Wir müssten eigentlich nicht nur in den Familien ansetzen, sondern auch in den Kindergärten und Schulen. Das passiert zu wenig. Potenzial ist bei Kindern vorhanden, es wird aber zu wenig geweckt. Die Kinder unseres Chors lernen früh auch ein...
Die drittletzte der insgesamt rund 70 Opern Gaetano Donizettis, von den Häusern um des Kassenstands willen oft gespielt und vom Publikum mit Blick auf einen launigen Opernabend heiß geliebt – «Don Pasquale» ist doch fürwahr ein einfältiges Stück. Ein Schwank mit simpler Musik, eine Operette, aber nicht so gut wie «Die Fledermaus». Doch Vorsicht, die Behauptung ist...
