Intensität durch Distanz
«Wir arme Leut’», singt Wozzeck, als der Hauptmann ihm Moral predigt. Ein Erniedrigter und Beleidigter. Alban Berg hat in seiner Vertonung von Büchners Fragment Armut und Verelendung ins Zentrum gestellt. Die Versuchung drängt sich auf, entweder Elendskitsch oder ein heutiges Hartz-IV-Drama in prekärem Milieu zu zeigen.
Regisseur Ingo Kerkhof ist im Kölner Palladium diesen Versuchungen aus dem Weg gegangen und hat mit kühler Konsequenz auf Reduktion und Ausnüchterung gesetzt.
Gisbert Jäkel hat ihm dazu in der ehemaligen Industriehalle eine tiefe, im hinteren Bereich stets dunkle Bühne gebaut. Bläuliches Licht erhellt die karge Szene: zwei Brecht-Vorhänge, ein Festzelt für die Wirtshausszene. Sonst nichts als ein paar Requisiten, die herein- und herausgetragen werden. Jessica Karges Kostüme zitieren eine nicht näher definierte (ländliche) Vergangenheit.
Kerkhofs Regie baut auf die Kunst des Weglassens. Das Programmheft zeigt auf Probenfotos noch einen blutverschmierten Wozzeck. Die Premiere kommt ohne Theaterblut aus, selbst das Messer fehlt: Wozzeck schiebt lediglich die bloße Hand unter Maries Kleid und tötet sie damit. Kerkhof konzentriert sich auf Wozzecks Innenleben, ohne die ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Regine Müller
Dass England zwischen Purcell und Elgar das «Land ohne Musik» gewesen sein soll, ge-
hört zu den geistvollen Gemeinplätzen, die auch Generationen patriotischer Musikwissenschaftler, Künstler und die «Early English Opera Society» nicht aus der Welt räumen konnten. Die Bemühung um eine englischsprachige Oper begann 1656 mit Sir William Davenants «The Siege of Rhode»...
Das Werbeplakat zeigt in diesem Jahr ein Gedeck aus der Gefrierzone: roter Teller, Messer, Gabel, Becher, alles vereist. «Einsamkeit und Kälte, die Not und manchmal Unmöglichkeit, sich mitzuteilen» sind, so Intendant Luc Bondy, Grundströmungen der diesjährigen Wiener Festwochen. Dies manifestierte sich schon in der ersten Premiere, Christoph Marthalers...
Sängerbiografien tendieren leicht zur Verklärung, verlocken auch seriöse Autoren gern zu romanhafter Ausschmückung oft nur rudimentär überlieferter Fakten. Wenn der Gegenstand der Beschreibung dann auch noch ein populärer Tenor mit einem wechselhaften und in Teilen tragischen Schicksal ist, dann kennt die Fantasie oft keine Grenzen. Richard Tauber ist nicht zum...
