Ins Glück getragen

Stephan Mösch über «Manon» an der Berliner Staatsoper mit Anna Netrebko, Rolando Villazón und Daniel Barenboim

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Schon mit den ersten Takten hebt sich ein Glitzervorhang und gibt den Blick frei auf Anna. Sie blättert in einem Lifestyle-Magazin, zieht sich die Lippen nach und rasiert die Waden.

Oder sollten wir es doch mit Manon zu tun haben, die, wie wir gelesen haben, bei einem
gewissen Abbé als Romanheldin auftaucht und später, ebenfalls lange her, von einem Franzosen zum Rätsel­geschöpf einer Oper gemacht wurde? Die Lippen, die Waden, die Pose – das ist doch Anna, die schöne Anna, die wir als weltoffene Menschen schon kennen aus der Schmuckwerbung und von den Badewannenpostern in der U-Bahn. Die Anna, die die Callas von heute sein soll, wie unsere Tante in einem Fachblatt las. Die reizende, junge Anna, die von der grausamen PR-Maschinerie so schrecklich gehypt werden soll, wie unsere Freunde ­sagen, die wieder Freunde haben, die fast jedes Jahr in Salzburg sind. In der Pause schauen wir in das mit schönen Goldbuchstaben geschmückte Programmbüchlein. Da schreibt der Regisseur, er habe seine Aufführung nur für Anna kreieren wollen. Seinen Namen haben wir noch nie gehört, aber er muss eine Größe sein, hat für Madonna und Michael Jackson und am Broadway arbeiten dürfen und kommt vom Film. Wie ...

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Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 13
von Stephan Mösch

Vergriffen
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