In der Manege
Im historischen Teatro Nacional de São Carlos hangelt sich Alberich als Quereinsteiger aus der No-Future-Generation zur welterschütternden Tat. Nur mit roter Irokesenbürste und einem Wollhöschen bekleidet, das mehr schlecht als recht eine gewaltige Protuberanz verhüllt, kauert er auf einer güldenen Logenbrüstung, um sich an den Tutus und Pumps der drunten pirouettierenden Rheintöchter aufzugeilen.
Man hat sich noch kaum an den Anblick der mitten ins Parkett gebauten «Ring»-Sonderbühne gewöhnt, da hat er auch schon seinen blau-weiß gestreiften Superanhang hervorgekramt und den walzernden Damen zum Beweis seiner Interessen hingehalten. Auch nach dem Ergreifen des (hier mittels einer Diskokugel raumfüllend gestreuten Licht-)Goldes und dessen spekulativer Mehrung in einem von Blues-Brother-Klonen am Laptop betriebenen Nibelheim taucht das Gemächt wieder auf: Der Drache, in den sich Alberich unter Einsatz des (guten, alten) Tarnhelms verwandelt, ist – ein blau-weiß gestreifter Riesenringelwurm. Botschaft angekommen?
Graham Vick arbeitet bei seiner in Lissabon gestarteten ersten «Ring»-Regie nicht nur im Fall der Nachtalben mit plakativen, vornehmlich aus Sport und Hollywood-Lichtspiel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Betrachtet man das spanische Musikleben zwischen dem ausgehenden 18. und dem frühen 19. Jahrhundert, so wurde international unter den einheimischen Akteuren vor allem ein Name wahrgenommen: Manuel García. Die Zeitgenossen schätzten García als Sänger und Komponisten, auf seine herausragende Stellung deutet nicht zuletzt die Tatsache, dass drei seiner Kinder...
Mit der «Proserpina» des erst in den 1990er-Jahren wiederentdeckten deutsch-schwedischen Komponisten und Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus sowie der Uraufführung von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper «Kälte» («Da gelo a gelo») hat sich Schwetzingen einmal mehr zu seiner Vorliebe für das Ausgefallene und Aparte bekannt. Beide Male wurde der Mut zum Risiko...
Kleine Opernhäuser leben im Spagat. Einerseits sind sie für kulturelle Basisversorgung zuständig, sprich, sie müssen ihrer Stadt samt Umland früher oder später eine «Bohème» anbieten, und auch ein Musical wird gelegentlich erwartet. Andererseits brauchen sie als Legitimation überregionales Echo. Das klappt eigentlich nur durch konstante Arbeit am Niveau und durch...
