Immer Wunderkind
Herrlich, diese Karikatur! Vier Komponisten (Siegfried Wagner, Max Reger, Richard Strauss, Eugen d’Albert) und ein Dirigent (Arthur Nikisch) stehen da, mehr oder minder gramgebeugt und recht ratlos, wie es scheint, um einen Flügel herum. Auf einem Stuhl davor ein Winzling, dessen zarte Füße nicht einmal im Traum an die Pedale reichen würden, dessen (bebrilltes) Gesicht aber dem eines Professor emeritus gleicht. Die Hände auf den Tasten, scheint das Wunderkind ganz und gar absorbiert, versunken in seine Welt.
1911 war das.
Soeben hatte der Kritiker (und zuvor erfolglose Komponist) Julius Korngold Werke seines zwölfjährigen Sohnes Erich Wolfgang an sage und schreibe 40 Künstlerpersönlichkeiten versandt, versehen mit der Bitte um ehrliche Einschätzung. Die Reaktionen waren zum Teil enthusiastisch; «größtes Erstaunen» (Strauss) mischte sich mit Bewunderung – und Verwunderung. Konnte es wirklich sein, dass ein Kind Schöpfer derartig differenzierter, ja ausgereift-geistreicher Kompositionen war? Zweifelnde Stimmen wurden laut; besonders laut wurden sie, weil der Erzeuger dieses Wunderknaben wegen seiner ätzenden Kritiken im Wiener Musikleben wahrlich nicht nur Freunde besaß. Und so ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jürgen Otten
Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine...
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Mit seiner 2010 in Amsterdam uraufgeführten Bulgakow-Oper «A Dog’s Heart» erregte er Aufsehen (OW 8/2010). Die Opéra de Lyon bringt nun sein neues Bühnenwerk heraus: «Germania» nach Heiner Müller
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Der eine ist 45, der andere knapp älter; über die Jahre juveniler Bilderstürmer sind sie beide eigentlich längst hinaus. Und beide, Jérémie Rhorer wie Teodor Currentzis, verströmen nicht nur jugendliches Flair inklusive der trotzig in die Stirn wirbelnden Haarsträhnen, sondern mischen als Mozart-Dirigenten zugleich das traditionelle Bild des gelassenen Klassikers...
