Im Räderwerk
Wenn sich der Vorhang öffnet, gibt die Szene den Blick frei auf eine mit Toten übersäte, unablässig kreisende Drehbühne. Von oben senkt sich ein blecherner Lautsprecher herab, aus dem die Schlussansprache aus Charlie Chaplins Film «Der große Diktator» ertönt. Der flammende Aufruf für Frieden und Freiheit ist ein gleichsam vorauseilender Kommentar zu dem, was uns in Verdis «Simon Boccanegra», seiner wohl persönlichsten, jedenfalls finstersten Oper erwartet.
In den schicksalhaften Verkettungen und zwanghaften Wiederholungen der verworrenen, schwer durchschaubaren Handlung legt die junge Regisseurin Magdalena Fuchsberger ein fatalistisches Geschichtsdrama von bestürzender Aktualität offen: Männer machen Geschichte, und Frauen sind die Opfer. Boccanegra lässt sich von Paolo, dem Anführer der Volkspartei, erpressen und vom Volk zum Dogen von Genua wählen – ein unheilvolles Bündnis mafioser Machenschaften, bei dem schließlich beide umkommen: Paolo vergiftet Boccanegra und wird selbst hingerichtet.
Fuchsberger findet intensive, beklemmende Bilder für ein zeitloses Spiel, das auch die Täter korrumpiert, ja zerstört. Monika Biegler hat ihr dafür vier serienmäßig gestylte, mit Schreibtisch, ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Uwe Schweikert
Natürlich dürfen wir uns Schumanns Faust nicht leibhaftig vorstellen. Als Grübler mit gebeugtem Kopf, zerfurchter Stirn, in fadenscheiniger Kluft. Auch Gretchen ist bei ihm nicht eine Verführte aus Fleisch und Blut, so wenig wie Mephisto ein hölleneifrig-zynischer Tatmensch, der ihren und manch anderen Fall einfädelt. In den Bruchstücken, die Schumann für sein...
Mit Wagner könne man ihn jagen, verkündete noch vor Jahren der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf. Als ihm aber, etliche Verdi- und Operetten-Inszenierungen später, vom Rheinoper-Intendanten Christoph Meyer der «Ring» angeboten wurde, hatte die Jagd ein Ende. Hilsdorf grub sich tief in die Wagner-Materie ein. Nach der Premiere der «Götterdämmerung» am Düsseldorfer...
Irgendwann während dieser Aufführung scheint es, als ob nicht Waffen und Wut gegen widrige Verhältnisse helfen, sondern allein Dezibel. Gegen die Bastionen der Mächtigen anschreien, das ist auch eines der Prinzipien, die Gottfried von Einem bei der Vertonung von «Dantons Tod» beherzigte. Es ist also sehr laut im Gärtnerplatztheater. Das hat nicht nur zu tun mit dem...
