Im Goldrahmen
Die Kriterien für eine «Opera Rara» erfüllt Rossinis 1819 uraufgeführte «Ermione» nur noch sehr bedingt: In mittlerweile drei Aufnahmen ist die «Azione tragica» erhältlich, neben der Pioniereinspielung Claudio Scimones von 1986 zeugen inzwischen auch noch zwei prominent besetzte DVD-Mitschnitte aus Glyndebourne und Pesaro von dem wiedererwachten Interesse an dem düsteren Meisterwerk.
Dass das auf Ausgrabungen spezialisierte Londoner Belcanto-Label diesem Angebot jetzt noch eine weitere Alternative hinzufügt, erstaunt – zumal die Neueinspielung unter dem alten Opera-Rara-Kämpen David Parry eher gediegen als packend geraten ist.
Im Gegensatz zur orchestral kleiner besetzten, dramatisch agileren Scimone-Aufnahme stellt Parry die Eifersuchtstragödie um die Griechenprinzessin Hermione in einen Goldrahmen, meidet expressive Extreme und dirigiert seinen Rossini aus dem Geist nobler Kantabilität. Wie viel dabei verloren gehen kann, zeigt schon Andromacas Solo «Mia delizia!» zu Beginn des ersten Akts: Scimone nimmt die Passage sowohl langsamer als auch erheblich leiser und sichert der Ansprache der gefangenen Trojanerin an ihren Sohn dadurch einen intimen, wehmütigen Ton. Im üppigen ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 19
von Jörg Königsdorf
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Eine Abschiedssymphonie. Nach und nach erheben sich Choristen und Instrumentalisten von ihren Plätzen am Bühnenrand im Parkett und gehen nach draußen. Dido ist buchstäblich von allen verlassen. Niemand ist im Sterben bei ihr. Die letzte Note der Partitur bleibt in der Luft hängen. Nie war diese abgründige Todesmusik Henry Purcells trauriger, in aller Sanftheit...
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