Im Aufwind
Seit John Berry die künstlerische Leitung der English National Opera übernahm, scheint sich das Haus zu konsolidieren – nach vielen personellen Wechseln in der Verwaltung und einer langen Phase der Verunsicherung. Die finanzielle Situation ist so stabil wie lange nicht mehr und das Programm der Spielzeit 2008/09 zweifellos interessant (zwei Premieren stehen noch aus). Zuletzt präsentierte das Haus einen Klassiker von Mussorgsky sowie – aus Anlass seines fünfzigsten Todestages – eine Rarität von Ralph Vaughan Williams.
«Boris Godunow» kehrte in einer neuen Inszenierung von Tim Albery an das Coliseum zurück. Das Werk ist bekanntlich in mehreren Fassungen überliefert. Man stützte sich im Wesentlichen auf die Originalversion von 1869, die damals von den kaiserlichen Bühnen in St. Petersburg abgelehnt wurde. In ihrer konzentrierten Härte stellt sie wohl die kraftvollste aller Varianten dar. Und doch entfaltete das Stück nicht ganz seine potenzielle Wirkung: Was Alberys düsterer Regie und dem von Tobias Hoheisel gebauten großen Holzkasten fehlte, war die visuelle Dringlichkeit des Epischen. Brigitte Reiffenstuel hatte Kostüme entworfen, die einen Bogen von der Zeit des Boris bis zum Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt...
Seit einiger Zeit schon passen Theatermachern die Texte von Beethovens «Leonore»/«Fidelio» nicht mehr so recht ins Konzept. Mit dem Hohelied auf Ehe und Familie im Gefängnishof können sie so wenig anfangen wie mit dem Gottvertrauen des politischen Gefangenen im finsteren Verlies. Das Jubelkantaten-Finale erscheint gar als Zumutung – es wird gern als konzertanter...
Am Abend des 21. Januar 2008 versetzten der Regisseur Benjamin Lazar und der Dirigent Vincent Dumestre die französische Opernszene in einhelligen Begeisterungstaumel. «Ein berauschendes Barockfest», schwärmte «Libération» über die neue Produktion an der Opéra Comique, «ein Spektakel, das man gesehen haben muss», konstatierte der «Figaro», und «Le Monde» pries das...
