«Ich hatte Glück im Leben, von Anfang an»
Noch immer hat niemand die Lücke geschlossen, die sie nach ihrem Abschied von der Opernbühne 1997 hinterließ. Welche Sopranistin reicht heute an ihre Vitellia, Abigaille oder Leonora heran? Fast vergessen ist, dass Julia Varady sich auch vehement für Musik des 20. Jahrhunderts einsetzte. Davon zeugt nicht zuletzt ein CD-Recital mit Liedern von Kodály, Bartók, Prokofjew und Mussorgsky, das «Opernwelt» ihr zum 60. Geburtstag widmete. Dass der Rücktritt auf dem Karrierehöhepunkt unter Tränen erkauft war, daraus macht sie kein Hehl.
Doch sie hat sich andere Aufgabenbereiche gesucht, die sie ausfüllen – als Professorin in Berlin und Karlsruhe, als Nachlassverwalterin ihres 2012 verstorbenen Mannes Dietrich Fischer-Dieskau. Und jetzt liebäugelt Julia Varady noch mit ganz anderem – einem kleinen Comeback
Frau Varady, als es um einen Termin für dieses Gespräch ging, war das gar nicht so einfach. Unterricht in Karlsruhe, Jury-Mitgliedschaften, Unterricht in Berlin: Haben Sie eigentlich mehr zu tun als früher?
Das scheint wirklich so. Es ist aber eine andere Art der Verantwortung, wenn ich zum Vergleich mein vorheriges Leben anschaue. Ich vermeide immer das Wort Karriere, ich sehe den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Julia Varady, Seite 54
von Markus Thiel
Wenn man Elena Sancho Pereg auf der Bühne der Düsseldorfer Rheinoper erlebt, vergisst man fast, dass sie singt. Zuallererst wird man gebannt von ihrem Spiel, ihrer faszinierenden Erscheinung. Erst dann registriert man die Qualität ihrer Stimme. In der Theaterwelt bezeichnet man eine solche Ausnahmebegabung auch als «Bühnentier». Der Begriff bezeichnet sehr treffend...
Wenige haben den Diskurs über Oper und Musiktheater heute während der letzten drei Jahrzehnte stärker geprägt als er. Mit Adorno, Heidegger und Derrida im Hinterkopf, begriff Klaus Zehelein künstlerisches Handeln stets als reflektierte Auseinandersetzung mit der Gegenwart des Vergangenen und der Geschichtlichkeit des Gegenwärtigen. Angefangen hat er als junger...
Christian Gerhaher gelingt als Monteverdis Orfeo in David Böschs Inszenierung am Münchner Prinzregententheater «die stufenlose Entwicklung des Klangs aus der Sprechstimme, ... das überlegte und überlegene Nuancieren, auch das heldische Zupacken: Mit einem Suchen nach barocker Phrasierungspraxis hat das weniger zu tun, sondern ... mit Wahrhaftigkeit» (OW 9-10/2014)....
