«Ich habe nie einen Wotan abgesagt»
Herr Tomlinson, eine Ihrer überragenden Rollen war Hagen in Wagners «Götterdämmerung». Warum gerade ein solcher Fiesling?
Eben deswegen! Ich hatte, grundsätzlich gesprochen, für alle meine Rollen Sympathie. Sogar mit Claggart in Brittens «Billy Budd», der nun wahrlich böse ist. Auch für den Ochs im «Rosenkavalier» habe ich eine Schwäche. Der ist ein Kind der Natur – leichtsinnig und ein bisschen derb. Jede dieser Figuren birgt eine Geschichte, die sich nachvollziehen lässt.
Selbst Hagen?
Selbst Hagen! Er wurde für eine Aufgabe geboren, die er sich nicht selbst ausgesucht oder ausgedacht hat. Ich respektiere das. Es gibt da eine gewisse Ödnis, ein Talent zum Unglück. Genau das macht die Figur vielschichtig – und interessant. Ich glaube nicht, dass man Bösewichter nur finster gestalten sollte. Man sollte niemals mit bösen Absichten auf die Bühne gehen. Sondern mit einer Figur, mit der man sich identifizieren kann. Ich habe Mitgefühl mit meinen Figuren. Anders geht es nicht.
Ihre Stimme zeichnet sich durch eine angenehme Mischung aus Körnigkeit und Weichheit aus. Immer schon?
Ja. Ich glaube, so drückt sich die Körperlichkeit meiner Stimme aus. Ich versuche seit 50 Jahren, jeden Tag schön ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Interview, Seite 52
von Kai Luehrs-Kaiser
Kennen Sie Méhul? Vor hundert Jahren hätte sich auch im deutschsprachigen Raum jeder Opernliebhaber an die biblische Oper «Joseph» erinnert; noch 1920 richtete Richard Strauss höchstpersönlich diese Partitur aus dem Jahr 1807 für die Dresdner Staatsoper ein. Das erfolgreichste Werk des aus dem französisch-belgischen Grenzgebiet stammenden Komponisten liegt seit...
ARD-ALPHA
6.9. – 20.15 Uhr (1)
18.10. – 20.15 Uhr (2)
Klassik am Odeonsplatz.
1. 2013. Musikalische Leitung: Yannick Nézet-Séguin. Solisten: Rolando Villazón und Thomas Hampson. Werke von Wagner und Verdi. 2. 2015. Musikalische Leitung: Pablo Heras-Casado. Werke von de Falla, Prokofjew, Debussy und Ravel.
13.9. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Strauss: Ein...
Vorn, ganz nah am Wasser des Bodensees, ein in Blau getränkter Raum. Das Refugium des Calaf, zugleich aber auch die Arbeitsklause des Komponisten. Auf dem Klavier windbewegte Noten. Sinnend hockt er da und betätigt eine Spieluhr, wie auch Giacomo Puccini eine besaß. Es ertönt eine Melodie, die nachher auch in dessen letzter, unvollendeter Oper «Turandot» erklingt....
