Horror vacui
Der 1713 während Händels erstem Londoner Aufenthalt entstandene «Teseo» ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmewerk, weil er stofflich wie formal auf eine französische tragédie lyrique, Lullys «Thesée» aus dem Jahr 1675, zurückgeht. Im Endeffekt hat Händel dann doch eine italienische Opera seria komponiert, die Form aber durch dramatische Accompagnati, Duette, kürzere Arien und einen farbigen Orchestersatz aufgemischt, was entschieden zur musikalischen Verlebendigung beiträgt.
Igor Bauersima hat sich in Stuttgart redlich bemüht, Logik in das politisch-amouröse Ränkespiel um den athenischen Staatsgründer Theseus und die Zauberin Medea zu bringen, ohne freilich das Hin und Her der Intrigen verständlich zu machen, gar den nur durch ihre Designerklamotten konturierten, ansonsten aber blässlich geführten Figuren Profil zu geben. Spannend wurde das ganz an die Rampe vorgezogene Spiel immer nur dann, wenn Medea auf der Szene stand. Helene Schneiderman, seit 25 Jahren Stuttgarter Ensemblemitglied und in den letzten Spielzeiten von der Intendanz arg vernachlässigt, gab die rachsüchtige Bruder- und Kindermörderin, die am Ende an ihren eigenen Künsten zugrunde geht, mit giftiger Eleganz und einem ...
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Nicht jeder Komponist, den der Tod mit 35 Jahren ereilt, ist ein Mozart. Aber aus dem Amerikaner Robert Kurka hätte noch viel werden können, wenn er nicht 1957 an Leukämie verstorben wäre. Fünf Streichquartette, sechs Violinsonaten und zwei Symphonien hatte er zu diesem Zeitpunkt schon geschrieben. Was bleibt, ist auch seine Oper «Der brave Soldat Schwejk», die der...
Was muss ein Stoff haben, damit eine Oper aus ihm werden kann? Aribert Reimann hat diese Frage für sich so beantwortet: «gleichnishaften Ewigkeitswert». In seinen Bühnenwerken ist daher der Mensch das Maß der Dinge. Er ist Thema, Anlass, Gegenstand – und zwar als singend sich äußernde und entäußernde Figur. Darin dürfte ein wesentlicher Grund dafür liegen, dass...
Als Greta Garbo eine Rolle in Sack und Asche zu spielen hatte, verlangte sie, unter den Lumpen seidene Wäsche tragen zu dürfen. Auf den Hinweis, dass keiner dies sehen würde, erwiderte sie: «Aber ich werde mich dann wohler fühlen.» Ob sich die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova wohlgefühlt hat in ihrem dunkel-düster-schäbigen Habit, das sie bei ihrem...
