Honegger: Johanna auf dem Scheiterhaufen
«Johanna auf dem Scheiterhaufen», das Oratorium des katholischen Mystikers Paul Claudel, dem der Kalvinist Arthur Honegger eine musikalische Dimension hinzufügte, die er selbst nur als Dienerin der Poesie verstanden wissen wollte, ist immer wieder auch auf der Opernbühne zu sehen. Die lockere, fast filmische Szenenfolge und das vielfältige Personal reizen Regisseure ebenso wie die Rahmenhandlung – die Rekapitulation der Lebensgeschichte des Mädchens aus Domrémy, wie sie Frère Dominique für die todgeweihte Jeanne unter dem Scheiterhaufen vornimmt.
Lorenzo Fioronis Kasseler Versuch, das Oratorium szenisch im provisorischen Kasseler Zelttheater zu realisieren, verleiht dem Werk noch eine weitere Ebene. Die Rahmenhandlung wird in die Gegenwart verlegt, genauer in die Spielstätte einer Hobbytheatergruppe, welche den Charme einer Bahnhofsgaststätte alten Stils hat. Pfarrer Dominik (Jürgen Wink) ist hier der Leiter eines geistlichen Laienspiels. Die Personen, die Rollen bekommen haben oder in den diversen Volksgruppen mitwirken, sind ganz normale Menschen, die auch einmal zu spät kommen und sich dafür den Tadel der Zuverlässigeren anhören müssen.
Natürlich konzentriert sich alles auf die ...
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