«Holländer», historisch

Mehr Urfassung gab's noch nie

Opernwelt - Logo

Durch Gewitter und Sturm: Die Mannen Donalds haben eine beschwerliche Reise zum schottischen Heimathafen hinter sich. Donald? Ganz richtig: Besucher des konzertanten «Fliegenden Holländers» 2004 in der ­Essener Philharmonie dürften sich zunächst ungläubig die Augen gerieben haben. Die Deutsche Welle titelte klug zur «Urfassung», dass viele Wagnerianer sich über den fehlenden Erik gewundert hätten, doch dieser sei 1841 von Wagner hinzugefügt worden.

Ein Irrtum: Natürlich ist die Partie schon vollgültig angelegt, doch so, wie Daland noch als Schotte Donald firmiert, ist der Jägersbursche Erik in der hier angenommenen «Pariser Urfassung» als «Georg» unterwegs. Die für viele Aufführungen maßgebliche Partiturausgabe von 1896 durch Felix von Weingartner ist den Theatern weltweit längst nicht mehr Ultima Ratio, Mischfassungen sind theaterpraktisch gang und gäbe – doch auch der Begriff der «Urfassung» wird in den vergangenen Jahren recht freizügig ausgelegt. Normalerweise meinen die Theater damit einen pausenlosen «Holländer», der auf die 1860 nachkomponierten «Erlösungsschlüsse» zum Ende des Werkes und der Ouvertüre verzichtet. Wer ganz «Ur» sein will, lässt schon einmal seine Senta ihre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Platten, Seite 52
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gefährliche Liebschaften

Dass Benjamin Britten und zahlreiche andere Kompo­nisten des 20. Jahrhunderts um die Schönberg’sche ­Dodekaphonie und deren Folgen einen Bogen schlugen, war nicht nur das Resultat eines ästhetisch begründeten Unbehagens. Die Reserve gegenüber den Konstruktionen der Zwölfton-Avantgarde hatte auch handfeste rezeptionspolitische Gründe: Man wollte, statt bloß im...

Noch nicht das letzte Wort

Jörg Widmann freut sich darüber, dass der Münchner Uraufführung vor anderthalb Jahren relativ schnell eine zweite Inszenierung von «Das Gesicht im Spiegel» folgt. Außerdem muss nicht wie im Cuvilliés-Theater gegen eine trockene Akustik ange­kämpft werden, so dass viele Details der Partitur besser zur Geltung kommen – wichtig bei einem so klang­orientierten...

Helles Silber, dunkles Erz

Unter den «Nachtigallen», deren Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende ging, nahm die früh an Leukämie erkrankte Mado Robin (1918-1960) eine Sonderstellung ein, da sie ein ausgesprochenes Stimmphänomen war. Sie soll angeblich das viergestrichene C erreicht haben, auf jeden Fall entfaltete ihre Stimme über dem dreigestrichenen C ihre ganze Eigenart (und das...