Höhen und Tiefen der China-Mode
Die streng klassizistische Seria «Teuzzone» (1719) gehört neben der bissigen Boulevardkomödie «Ottone in villa» («Otto auf dem Lande», 1713) und der Zauberoper «Orlando (furioso)» (1727) zu den drei besten der erhaltenen Opern Vivaldis. Und das, obwohl der Meister 26 der insgesamt 33 Arien aus acht eigenen und drei fremden Opern übernahm und/oder später zweitverwertete. Stärker noch als Bach war der «rote Priester» ein Genie der Anverwandlung.
Oft überragen seine Kopien die Originale oder arbeiten als work in progress immer neue Aspekte aus demselben Material heraus. «Teuzzone» spielt (basierend auf den Geschichtswerken des Südtiroler Jesuitenmissionars Martino Martini) in China, folgt aber wie «Griselda» oder Calderóns «Standhafter Prinz» der Dramaturgie des Märtyrerdramas.
Der standhafte Prinz Teuzzone wird von seiner ihm in Liebeshass verbundenen Beinahe-Stiefmutter und ihren skrupellosen Mitläufern einer Reihe grausamer Prüfungen unterzogen, um am Ende als gebrochener Sieger doch noch auf den Thron zu gelangen. Im Schlusschor betont Vivaldi das Wort «cru-deltà» und macht damit ein letztes Mal deutlich, welches Prinzip die Welt regiert. «Teuzzone» ist ein machiavellistisches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 26
von Boris Kehrmann
Einen Zyklus mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts zu starten, ist keine neue Idee. Aber darum wird ja nicht schlechter, was das Badische Staatstheater unter seinem neuen Intendanten Peter Spuhler in Szene setzt. Noch verdienstvoller indes: Den Anfang markiert in Karlsruhe «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Frederick Delius.
Die Väter bekriegen sich. Die Kinder...
Nun ist sie also abgeschlossen, die neue «Ring»-Produktion an der Met: Zwar nimmt sich die «Götterdämmerung» in Robert Lepages Regie optisch abwechslungsreicher aus als die vorangegangenen drei Teile, doch die wunderlich-aufwändige, als «The Machine» bekannt gewordene Bühnenkonstruktion von Carl Fillion und seinem Team wirft nach wie vor mehr gestalterische...
Impressum
53. Jahrgang Nr. 3
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752241
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 10.02. 2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
