Heiterkeit der letzten Dinge
Was nützt das Hören mit den Augen in Gedanken? Bilder halten uns beim Erinnern gern zum Narren. Sie verändern sich, die stärkeren überlagern die schwächeren, einige wachsen, pumpen sich auf, andere werden blasser und verschwimmen, und vieles verschwindet ganz. Dabei passiert es gerade bei Opernwerken, die wir besonders oft zu erleben Gelegenheit haben (da ja der Kanon des tatsächlich Aufgeführten immer kleiner wird), dass sich die Bilder lösen von Stück und Musik.
War es in der «Cosí» oder im «Lohengrin», dass die Spiegelbilder lebendig wurden? Ach nein, es war die «Entführung». Saß da Pamina gefangen im Einmachglas, oder war es Violetta? Nicht doch, es war Gilda.
So stark ist die Macht der Bilder geworden, seit das Regietheater auf der Opernbühne in die zweite Generation ging, dass ihre Vielfalt leidet und sich eine gefährliche Tendenz zum Immergleichen abzeichnet. Viele Chiffren wirken in der Wiederholung nur noch wie Mätzchen, wie Klischees oder, schlimmster Verdacht: wie Dekor. Was früher der üppige Faltenwurf war oder die antike Säule, das sind heute auf den Opernbühnen die Kunsthaarblondperücken im Bubischnitt, die Militärmäntel, Scheinwerfer, die forschend ins Publikum ...
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Fünfzig Makel in neununddreißig Minuten. Risse, Schmutz, Wasserflecken, Drop-Outs, Tonschwankungen, verblasste Farben, Unschärfen. Eine kapitale Mängelliste. Dabei war der 1969 belichtete «Othello»-Streifen nicht einmal der gravierendste Problemfall, den die Spezialisten der Hallenser Firma Digital Images während der Instandsetzungsarbeiten für jene DVD-Edition zu...
Dem heißblütigen Operndarsteller passt sogar die Bach-Arie wie angegossen, das «Großer Herr, o starker König» scheint eigens für Michael Volle und seine agile Baritonstimme komponiert worden zu sein. Er singt das kämpferische Stück triumphal, aber nie platt auftrumpfend, koloraturensicher, außen-innen-balanciert im Dezember 2007 als Zugabe in der Philharmonie in...
Es hatte in der Luft gelegen. Immer wieder war das Essener Aalto-Theater während der letzten Jahre positiv aufgefallen. Mit Produktionen, die szenisch auf der Höhe der Zeit standen, ohne sich zeitgeistig anzubiedern. Mit einem intakten Hausensemble, das sein Handwerk aus dem Effeff beherrscht – von Händel bis Wagner, von Bellini bis Aribert Reimann. Mit einem...
