Heilloses Glück
Zart, delikat, wie aus dem Nichts herbeigezaubert drängt das Vorspiel zum ersten Aufzug in den verschatteten, hermetisch abgeschotteten Raum. Unaufdringlich ziehen Fagotte und Tuben ihre Linien, gleichsam geräuschlos, wie die Ventilatoren, die den Betonbunker Mimes und Siegfrieds belüften. Nicht einmal zum «Hoiho! Hoiho! Hau ein! Hau ein!» des Helden bläst Franz Welser-Möst am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper die Backen auf. Das unbekümmerte Vorwärts, der kraftstrotzende élan vital, die lustspielhafte Scherzo-Geste sind seine Sache nicht.
Eher schon jenes Vergrübelte, stoisch Schöne, das er in der Musik beim Auftritt des Wanderers und im großen Rätseldialog der zweiten Szene am Werk sieht.
In der Tat: Wie Welser-Möst etwa das Ritardando gestaltet, den Klangfluss staut, wenn der naive Naturbursche die Lektionen rekapituliert, die ihm sein Ziehvater erteilte («Vieles lehrtest du, Mime»), hat zwingendes Format. Schon hier findet sich der Wink, dass Siegfried keineswegs bloß kopf- und herzloser Tatmensch, sondern auch (mit)fühlendes Wesen sein kann, durchaus fähig, «das Fürchten zu lernen». Mit anderen Worten: Die stürmische Motorik, von den mittig platzierten Kontrabässen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Renaissance von Luigi Cherubinis «Médée» nach dem Zweiten Weltkrieg ist unauflöslich mit dem Namen von Maria Callas verbunden. Sie besaß die für die monströse Partie notwendige vokale Strahlkraft, verband den antikischen Gestus mit einem hochexpressiven Ausdruck, wodurch die ferne Figur eine subtile psychologische Durchdringung erfuhr, die sie unserem...
Ein Novum: Philharmoniker (West) und Staatskapelle (Ost) spielen zeitgleich unter dem Chef des jeweils anderen Orchesters, sogar die Programme hat man abgestimmt. Der gemeinsame Nenner: Maurice Maeterlincks tristaneske Mär von «Pelléas et Mélisande». Daniel Barenboim dirigiert in der Philharmonie die berühmte Sinfonische Dichtung, die Schönberg, von Richard...
Es war 1968, da las Thomas Bernhard seine Erzählung «Der Hutmacher» im Deutschlandfunk. Als der ungarische Komponist József Sári den 2003 im Münchner Hörverlag erschienenen Mitschnitt hörte, war er von dessen Musikalität so fasziniert, dass er den Stoff dem Regensburger Intendanten Ernö Weil vorschlug, der ein Sujet für eine Auftragskomposition suchte. Franz Csiky...
