Heggie: Dead Man Walking
Bei Jake Heggie zeichnet sich eine neue Wertschätzung alter Tonalitätstugenden durch junge Komponisten ab. Orchestrale Sprachfähigkeit geht in seiner Oper «Dead Man Walking» einher mit betont kantablem Ausdruck. Leichter Hollywood-Sound hier und da mag von der Kenntnis des Tim-Robbins-Films herrühren. Hagen präsentierte die zweite deutsche Inszenierung nach der vorjährigen Dresdner Produktion.
Radoslaw Wielgus (Joseph) und Marilyn Bennett (ihre Sister Helen erhielt in der besuchten Vorstellung Szenenbeifall) finden zu beklemmenden Leistungen, vor allem der junge Bariton, der den Weg eines Verbrechers zum Büßer glaubhaft zu machen hat.
Dies nämlich ist, kurz gefasst, die Handlung: Joseph De Rocher hat, sexuell und durch Alkohol aufgeputscht, ein Liebespaar ermordet. Todesurteil. Dem Delinquenten steht die sozial engagierte Schwester Helen Prejean beim letzten Gang zur Seite. Tief religiös geprägt, fordert sie Joseph zuvor ein Schuldgeständnis ab, gleichzeitig wächst ihre persönliche Zuneigung. Nachdem bei der Hinrichtung (durch Spritze) die Musik geschwiegen hat, erfüllt allein Helens gläubige, tröstende Stimme den Raum.
Roman Hovenbitzer hat schnörkellos und berührend im Detail ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dem Typus des egomanischen, seine Ziele passioniert und rücksichtslos verfolgenden Künstlers begegnen wir in Erinnerungen des Benvenuto Cellini ebenso wie in den Memoiren von Hector Berlioz. Beide, das Renaissance-Genie und der romantische Künstler, bewunderten die Meister der Vergangenheit, beide kämpften um neue Methoden und Formen. In Cellinis Bericht über den...
Ein junger Mann gerät unverhofft in den Dunstkreis eines erfolgreichen Komponisten. Des «berühmtesten lebenden deutschen Komponisten schlechthin», wie man dem schüchternen Doktoranden der Germanistik versichert. Für diesen Komponisten zu arbeiten, «das sei in gewisser Weise so, als würde man für Brahms arbeiten. Oder für Beethoven.» Die Aufgabe des jungen Mannes:...
Das Spannendste an der neuen Wiesbadener «Tosca» ist das hochkonzentriert, klangschön und dicht musizierende Orchester, dem Chefdirigent Marc Piollet aufschlussreiche Partiturdetails entlockt. Neues Licht fällt auf ganze Szenen durch höhnisch glucksende Klarinetten hier, gefährlich drohende Cello-Soli dort, und das strenge Metrum der Schluss-Chaconne in der...
