Halle: Aller Tüftelei zum Trotz
Die Mannheimer Uraufführung von Bernhard Sekles’ erster Oper «Schahrazade» dirigierte 1917 der 31-jährige Wilhelm Furtwängler. Fritz Stiedry spielte sie mit Lola Artôt de Padilla 1920 an der Berliner Staatsoper, Clemens Krauss 1921 in Frankfurt nach. Weitere Inszenierungen kamen in Aachen, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Duisburg, Wiesbaden, Lübeck und Kiel heraus.
Man fuhr also mit hohen Erwartungen nach Halle, wo Axel Köhler die Ausgrabung neunzig Jahre nach ihrer vermutlich letzten Aufführung präsentierte und Josep Caballé-Domenech seinen Einstand als GMD der Staatskapelle gab.
Köhler bezeichnete «Schahrazade» launig als Halles Beitrag zum Strauss-Jahr. Man habe einen Zeitgenossen mit gegenläufiger Biografie zu Gehör bringen wollen (siehe auch OW 11/2013). Dafür scheute er keinen Aufwand. Joachim Tschiedel, Sekles-Forscher und Leiter des Studiengangs Gesang an der Bayerischen Theaterakademie, machte Köhler, als er 2002 dort inszenierte, auf das als Klavierauszug gedruckte Werk aufmerksam. Dass in der Bayerischen Staatsbibliothek die Münchner Dirigierpartitur liegt, erfuhr die Hallenser Dramaturgie allerdings erst, als sie schon erwog, das ohne den dritten Akt ausfindig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Boris Kehrmann
Manche Opernhäuser haben nicht nur ihre Säulenheiligen, die Bayerische Staatsoper etwa mit Mozart, Wagner und Strauss, sie hegen auch noch ihre heiligen Stücke. Und das müssen nicht unbedingt die Hits sein. Es können – wieder Beispiel München – auch auskragend komplexe, denk- und fragwürdige Dramen wie «Die Frau ohne Schatten» von Richard Strauss und Hugo von...
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The...
