Halbe Strecke
Schmacht, schmatz, grummel, tob, peng, ächz, krächz, schluchz. Verdis Troubadour in Sprechblasen? «Alles drängte in ihm zum Ausruf, zum Aufschrei, zur Kürze. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte er Opern komponiert, deren Text nur Jubelrufe, Freudenlaute, Seufzer, Schmerz- und Racheschreie hätten sein müssen...» Dass das Programmheft zu Philipp Stölzls Neuinszenierung des «Trovatore» bei den Wiener Festwochen (im Theater an der Wien) aus Franz Werfels Verdi-Roman zitiert, ist natürlich Absichtserklärung. Stölzl inszeniert das Ganze quasi als Cartoon.
Der Regisseur und sein Dramaturg Jan Dvorák berufen sich dabei auf die comic-hafte Faktur des Stücks, das archetypische Bilder der Schauerromantik fast ohne Zusammenhang biete: Spuk, Zigeuner, Ritter, Kinderverwechslung, Hexenverbrennung, Nonnen, Duelle, Kerker, Gift und Dolch. So reihen sie parataktisch groteske und auch klamaukige Bilder sowie surrealistische Projektionen (Bühne: Stölzl und Conrad Moritz Reinhardt, Video: fettFilm) wie aus einem zum Comicstrip konvertierten spanischen Ritterroman aneinander. Zugleich spielen sie vor allem in der Figur der Azucena auf Jean-Martin Charcots Untersuchungen zur Hysterie an, die im ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard Persché
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Zürichs immer noch neuer Intendant Andreas Homoki hat rasch Fuß gefasst. Allmählich beginnt er auch seine Berliner Risikobereitschaft zu zeigen. Für den «Don Giovanni» holte er Sebastian Baumgarten. Mit diesem Mut fing er sich allerdings einen gewaltigen Buh-Chor ein. Und das, obwohl der Regisseur sich nicht allzu weit vom Werk entfernte. Barbara Ehnes baute ihm...
