Gothic novel
Die Bühne dreht sich – wie jene Schraube, die im Titel rotiert. Mit jeder Windung, jedem «Turn of the Screw» erhöhen sich in Benjamin Brittens Kammeroper Druck und Beklemmung. Für die Akteure wie für die Zuschauer. Regisseur Peter Carp und Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer entwickeln über rund zwei Stunden im Großen Haus des Theaters Freiburg einen Spannungsbogen wie die Altmeister des gepflegten Film-Thrillers. Das Ergebnis: eine dramatische Gothic Novel, die obendrein hinreißend klingt.
Behutsam, mit Respekt hat sich Freiburgs vom Schauspiel kommender Intendant dem Musiktheater angenähert. In seiner dritten Spielzeit legt Carp mit diesem Stück – nach einem berührenden «Eugen Onegin» im Vorjahr – erst seine vierte Regiearbeit in der Oper vor. Und man spürt, dass ihm Brittens Meisterwerk nach einer Novelle von Henry James aus dem Jahr 1898 besonders nahegeht. Die kryptische Mitteilung der Governess aus der fünften Szene, «See that I see, know what I know», dient als hintergründiges Motto des Abends. Sehen wir, was die Gouvernante sieht? Weiß sie, was sie sieht? Existieren die Phantome des Dieners Quint (ein ausdrucksstarker, zart lyrischer Tenor: Joshua Kohl) und der früheren Betreuerin ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Alexander Dick
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats Januar 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
Lieber Herr Marton, ist das gute, alte Stadttheater, wie es in Deutschland existiert, generell ein Ort für Sie?
Es ist eher die Frage, ob es ein Ort für Musiktheater ist. In Deutschland existiert immerhin dieser Begriff «Musiktheater», der auch experimentelle Formen jenseits der Oper oder des Musicals bezeichnet. Aber institutionell existiert diese Genre – anders...
Schon in wilhelminischer Zeit, lange vor der sogenannten sexuellen Revolution der 1960er-Jahre, gab es Bestrebungen, die prüde Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche durch Propagierung einer neuen Freikörperkultur zu überwinden. Auch die 1916 bis 1924 entstandene und 1926 in Warschau erstmals vorgestellte Oper «Król Roger» von Karol Szymanowski kreist um diese...
