Glück und Mühen der Ebene

Tobias Richter beendete in der vergangenen Saison seine 13-jährige Amtszeit als General­intendant der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. In dieser Zeit hat er das Institut gegen etliche Anfechtungen verteidigt. Im Gespräch sagte er: «Man braucht hier eine masochistische Ader.»

Opernwelt - Logo

Hier oben hat er einen großartigen Blick über Düsseldorf. Von der neu gestalteten Terrasse im sechsten Stock des Opernhauses schaut man über Dächer und Kirchen – unten pulsiert das Leben, oben fegt der Wind. Tobias Richter steht hier oben aber nur ungern, er ist ein Mann des Inneren, des unmerklichen Machens und Lenkens, er ist der Anti-Typ des schneidigen, im feinen Zwirn repräsentierenden Kulturmanagers. Das sieht man stets auf fast rührende Weise, wenn er bei Premieren vor den Vorhang tritt und eine halskranke Sängerin ansagen muss.

Dann zieht er sein blaues, etwas ältliches Dienst-Sakko an, und dieses Sakko sagt unabweisbar: Dieser Mann arbeitet hier, er kommt nicht im Smoking, er trennt sich nicht von der Produktion der Kunst und tritt noch weniger auf die Seite der Genießer. Tobias Richter, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (DOR), ist in den 13 Jahren seiner Amtszeit ein Prinzipal geblieben, der dem Glamour misstraute. Wie er überhaupt im Rheinland nie so ganz heimisch geworden ist.

Als er 1996 aus Bremen kam, glaubte er, irgendwo zwischen den beiden Arbeitsstätten Düsseldorf und Duisburg wohnen zu müssen – und zog in den blassen Vorort Ratingen. «Das war eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Wach am Rhein, Seite 94
von Wolfram Goertz

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Entweder man hat’s oder man hat’s nicht»

Herr van Dam, 2010 werden Sie sich nach einem halben Jahrhundert von der Opernbühne verabschieden. Wollten Sie eigentlich jemals etwas anderes werden als Sänger?
Nie, für mich war dieser Weg immer selbstverständlich. Das hat sicher damit zu tun, dass ich schon als Kind aufgetreten bin – ich war immer Solist. Ein Freund meiner Eltern brachte mich zu einem...

Doppelspitze

Im Moment der Entgegennahme des freundlichen Auftrags der Redaktion, einen lobpreisenden Text über die Sopranistin Anja Harteros und den Tenor Jonas Kaufmann zu schreiben, mehr noch im Moment der wenig später erfolgten Zusage überkam mich eine Schreibhemmung.

Schon wieder Kaufmann? Für den in den vergangenen Monaten genug Lametta in den deutschen Blätterwald...

Die Welt ist anders

Auf der Spielzeitbroschüre 2009/10 des Theaters Magdeburg heißt es in großen Lettern: «Wir sind Thema». Wenn man durch Halle, Magdeburg und Dessau geht, drängt sich allerdings keineswegs der
Eindruck auf, dass Musiktheater Stadtgespräch ist. Muss man es nicht erst zu einem Thema machen?
Karen Stone: Das ist sicher wahr, aber in letzter Zeit ist das Publikum in...