Glück in der Krise
«Das Leben ist kein Wartesaal», seufzt der schöne Bariton, der im richtigen Leben Sebastian Geyer heißt und an diesem Abend wechselweise Monsieur Juste und Arthur de St. Barbe darstellt. Recht hat er, denn ihm hat das Warten rein gar nichts genützt. Zwar ist ihm auf der Jagd glatt eine Fee in die Falle gegangen, die ihm drei Wünsche erfüllen wollte, wenn er sie nur wieder freiließe.
Ich will reich sein! Ich will eine junge Frau! Ich will geliebt werden! All dies wünschte sich der Held der Oper «Drei Wünsche oder Die Wechselfälle des Lebens», die der Tscheche Bohuslav Martinu 1929 in Paris komponierte. Doch der junge Jäger wird nicht glücklich – wie schon der Herr Taschenbier in Paul Maars «Sams»-Geschichten hat er einfach nicht genau genug gewünscht. Und ohne die Liebe, erkennt er spätestens, als ein schönes Männerquartett dies singt, ja, ohne die Liebe ist ohnehin alles nichts.
Das wäre Stoff für eine Operette im Sinn und Stil Jacques Offenbachs – kein Wunder, dass immer wieder dessen Geist durch Martinus Stück weht. Doch hier liegen die Dinge etwas komplizierter, denn die tragende Idee dieser Filmoper ist die Spiegelung: Ein Stummfilm wird inszeniert, die Rahmenhandlung findet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisen nähren Utopien. Nicht wenige träumen wieder von einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft. Der amerikanische Präsident denkt laut über eine atomwaffenfreie Welt nach – Thomas Morus grüßt aus der Ferne. Was macht da ein Regisseur mit der Utopie von Erlösung durch Mitleid, wie sie Richard Wagner in seinem «Parsifal» formuliert hat? Zumal dann, wenn er,...
Die Kasseler Erstaufführung von Francis Poulencs aus seiner Zeit, aus dem Œuvre seines Schöpfers und über weite Strecken aus dem Genre Oper überhaupt fallendem Musiktheater wurde zum Überraschungserfolg. Was Reinhild Hoffmann aus den «Dialogen der Karmeliterinnen» machte, war der Gegenpol zu einer Inszenierung, die das Stück als neukatholisches Mysteriendrama...
An den Komponisten Carl Goldmark (1830-1915) erinnern gelegentlich Aufführungen seiner Oper «Die Königin von Saba», die 1875 an der Wiener Hofoper uraufgeführt wurde und schnell zum Welterfolg avancierte. Zehn Jahre lang hatte Goldmark an dem Werk gearbeitet, und es dauerte noch einmal so lang, bis 1886 seine zweite Oper «Merlin» erschien. Es folgten noch vier...
