Globalisierte Langeweile

Berlin, Wagner: Der fliegende Holländer

Opernwelt - Logo

Seit Götz Friedrichs Tod im Jahr 2000 ist dies die erste Wagner-Inszenierung an der Deutschen Oper – und doch nur ein zarter Vorbote der Rückkehr zur Wagner-Pflege. Die harsch niedergebuhte Arbeit der türkisch-italienischen Regisseurin Tatjana Gürbaca ist, zugegeben, vor allem eines: langweilig. Das ist erstaunlich, denn als Schülerin von Ruth Berghaus und Peter Konwitschny ist Tatjana Gürbaca nicht nur gut beleumundet. Sie geht mit so viel Ideenmut und harten dramaturgischen Bandagen zu Werke, dass man sich fragt, wie in aller Welt das Ergebnis dermaßen sein Ziel verfehlen kann.


Im Holländer erkennt Gürbaca einen Vorreiter der Globalisierung. Er kauft Daland seine Tochter ab. Aus dem unerlösbaren Massaker am Schluss, bei dem auch Erik sein Leben lässt, geht der Holländer als Agent eines kapitalistischen Verderbens hervor. Er muss seinen fatalen Lauf fortsetzen. Gisbert Jäkel lokalisiert den Geschäftsabschluss (in dem also «Ring»-Motive vorspuken) in einer schwarzen Börsenzentrale. Die Dax-Kurven flimmern. Der Holländer kommt aus der Weltkugel-Vitrine.
Schon dass hier «Anker los!» gebrüllt wird, ist nur schwer hinnehmbar. Trotz aller Klugheit tritt die Inszenierung bis zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Traumrolle David

Wie bringt man es vom Statisten eines Dresdner Operettentheaters zum Kammersänger der Berliner Staatsoper und zum Kunst- und Nationalpreisträger? Harald Neukirchs an künstlerischen Höhepunkten reiche Karriere gibt auf diese Frage eine Antwort: Neben dem Geschenk einer ausdrucksvoll timbrierten hohen Tenorstimme mit ihrer bis ins Alter hinein jugendlichen...

Obstkunst

Seine Schwäche fürs erotische Intermezzo hat «Il turco in Italia» wenig genützt. Rossinis Oper über den Seitensprung wurde zumindest in Berlin seit Ewigkeiten nicht aufgeführt. Man muss das Stück leicht nehmen können. Dass der stets eilige Rossini «Il turco» 1814 nicht allein, sondern mit fremder Hilfe vollendete (bei den Rezitativen und beim Schluss), tat ein...

Abschiedsstück

Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...