Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen
Eigentlich ist Wu Hsing-Kuo die Ruhe in Person. Ein scheuer Mann, in sich gekehrt, ernst. Nur selten huscht ein Lächeln über das scharf geschnittene Gesicht. Wu Hsing-Kuo scheint viel nachzudenken, über die verrückte Welt da draußen, über das Leben, über die Kunst, über sich selbst. Ein Stoiker, von dem niemand erwarten würde, dass er je aus der Haut fahren könnte. Doch er kann. Und wie er kann! Auf der Bühne ist Wu Hsing-Kuo ein anderes Wesen. Denn hier geht es für ihn ums Ganze, um nichts Geringeres als die Menschwerdung des Menschen im Spiel.
Und es muss perfekt sein, dieses Spiel. Die Bewegungen, die Artikulation, der Gesang. Die Maske und die Kostüme. Die Flips und die Salti. Die Gestik und die Musik. Alles muss ineinander fließen und wirken wie aus einem Guss. Keine Flüchtigkeit, kein Makel soll die delikate Balance der Ausdrucksmittel stören. Das Equilibrium, das ihm sein Meister als Ideal auftrug, damals in Taipeh, als er sich zu einem Darsteller des jingju, der so genannten Peking-Oper, ausbilden ließ. Die Harmonie, an der er – allen Zweifeln eines wachen, weltoffenen Zeitgenossen zum Trotz, der auch mit Stoffen und Formen des europäischen Theaters experimentiert – bis ...
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Die Sandsäcke an der Rampe und die Granateneinschläge, die noch vor dem ersten Ton des Orchesters donnern, die Flower-Power-Jeansrock-Lässigkeit von Salome, das schlichte Anzugsgrau der Hofgesellschaft und die Kampfkleidung der Soldaten – all das behauptet in Meiningen szenisch zunächst einmal die Gegenwärtigkeit eines über hundert Jahre alten Stücks, dessen Sujet...
Sie wollte immer schon Sopran werden und war sehr traurig, dass es «nur» zum Mezzo gereicht hat. Die internationalen Erfolge, die sie über ein Jahrzehnt im tieferen Stimmfach hatte, konnten Violeta Urmana nicht über das Gefühl hinwegtrösten, das eigentliche Ziel verfehlt zu haben. Unterdessen trennte sie sich nach und nach von typischen Mezzo-Partien wie Azucena,...
Wie jemand, der aus dem «Wozzeck» ein globalisierungskritisches Drama gemacht hat, den «Rosenkavalier» inszeniert, wäre schon sehenswert gewesen. Allein, die Komische Oper entband den angekündigten Richard Jones vom Dienst an Strauss. Begründung: Konzept zu teuer, der Hausherr macht‘s billiger. So sprang Andreas Homoki ein und überarbeitete mit Bühnenbildner Frank...
