Gift, Mord und Rosenkranz
Die Oper aller Opern – Mozarts «Don Giovanni» wird gern so genannt.
Wer allerdings Amilcare Ponchiellis «La Gioconda» in Karlsruhe wieder einmal begegnete, winkt da nur ab: Ach was! Vereinigt nicht vielmehr dieser ausgebuffte Venedig-Kracher, für den der Librettist Arrigo Boito nicht mal seinen Namen hergeben mochte (er zeichnete mit dem Anagramm Tobia Gorrio), all die Ingredienzien, die des Königstitels würdig sind? Liebe und Treulosigkeit, Edelmut und Verrat, Denunziation und Scheintod, Ehre und Hass, Gift und Mord – und ein Rosenkranz, der samt seinem eigenen Motiv eine wichtige Rolle spielt: Wo käme das so rekordverdächtig zusammen wie hier? Dazu: eine Kontrastdramaturgie, in der Tanztrubel ohne Pause auf Orgelandacht, Serenadenheiterkeit auf die Totenglocke trifft, das Grand-Opéra-Tableau auf die erwachende Verismo-Rabiatheit. Und das vertraute Motiv der vertauschten Tränke leistet auch hier gute Dienste.
Bisweilen schwante einem, die Regisseurin Annegret Ritzel hätte am Badischen Staatstheater ein distanziertes Ausstellen all dieser wohlfeilen Bestandteile im Auge gehabt. Doch dazu fehlt dem, was auf das anfängliche Feuerwerk mit Konfetti-Regen folgte, die Ironie der ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Heinz W. Koch
«Hoffentlich beten Sie mit mir, dass SONNTAG aus LICHT kein ‹Ruhetag› sondern ein Tanz in die Sonne wird. FURCHTLOS WEITER! Ihr Stockhausen.» Den Briefappell des Komponisten von 1995 verstand die Kölner Oper nach mehr als einem Jahrzehnt wohl als ferne Aufforderung, die letzte Etappe, den «Sonntag» aus dem gewaltigen «Licht»-Epos der sieben Wochentage, erstmals...
Ja, die Dresdner Staatsoperette ist weit draußen. Aber die lange Anfahrt in den Vorort Leuben wird versüßt von der herrlichen Kulisse der bürgerlichen Wohnhäuser und Villen, die am Elbhang liegen. Vorbei geht’s am Rohbau der Waldschlösschenbrücke, der viel schlimmer als erwartet in dieses Gesamtkunstwerk einschneidet. Ein Anblick, der nur durch Verdrängung zu...
Das Fest blieb bei den Berliner Festtagen aus. Auch musikalisch. Das Programmheft druckte eine undatierte Erinnerung ab, in der Julius Kapp, Dramaturg der Berliner Uraufführung 1925, darlegt, dass sich «die Wozzeck-Partitur (...) häufig zur Sechs- und Siebenstimmigkeit entwickelt». Davon hörte man in der 12. Reihe des Schiller Theaters meist nur eine bis zwei...
