Gezügelte Fantasie

Giovanni Paisiellos «Giuochi d’Agrigento» bei Dynamic

Opernwelt - Logo

Zur Eröffnung des neu erbauten Teatro La Fenice am 16. Mai 1792 schrieb Graf Alessandro Pepoli, ein brillanter venezianischer homme de lettres, das ambitionierte Fami­lien­drama «I Giuochi d’Agrigento» («Die Sportwettspiele von Agrigent») und Giovanni Paisiello, der gerade mit seiner sensationell erfolgreichen «Nina» ein neues Genre in Europa etabliert hatte, eine Musik dazu, die alle Reformbestrebungen der Zeit zusammenfassen und die Seria-Oper mit durchkomponierten Solo-, Chor- und Ensemble­szenen in ein neues Zeitalter führen sollte.


Das Ergebnis kann man jetzt auf einem Live-Mitschnitt der Ausgrabung beim verdienstvollen Festival von Martina Franca nachhören. Es ist eine herbe Enttäuschung, bei der man nicht recht weiß, ob sie auf das Konto des durch die revolutionären musikalischen Entwicklungen seiner Zeit vielleicht doch überforderten, alternden Erfolgskomponisten oder seiner Interpreten geht. Auf die Dauer vermögen der vorhersehbare Periodenbau, die schlichten Kadenzen und die klassizistischen Wiederholungen (Symmetrie!) der Partitur wenig zu fesseln. Seiner unerschöpflichen melodischen Fantasie hat Paisiello diesmal Zügel angelegt. Zudem fehlen der Einspielung souveräne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: CDs, Seite 53
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bellini: Norma

«Norma» ist in Regensburg eine Sänger­oper, was Georgios Vranos mit dem gleichermaßen kraftvoll aufspielenden wie geschmeidig begleitenden Philharmonischen Orchester unterstreicht. Die Solis­ten nutzten alle Möglichkeiten, ihre Qua­litäten in den Dienst der Tragödie zu stellen. Christina Lamberti trumpfte mit tragender Stimme auf. «Casta diva» begann sie...

London bei Nacht

Seit Anfang des Jahres fixierten in der Londoner Untergrundbahn zwei auffällige Augenpaare eilige Hauptstädter und schlenzende Touristen: zwei Bilder, zwei Mädchen, kaum Frauen schon. Eine ­Lolita, mit lasziv halb geschlossenen ­Augen, vollroten Lippen machte herausfordernd Werbung für die neue «Salome» an der Royal Opera; ein selbstbewusst-traurig den Betrachter...

Lust und Unlust im Orchestergraben

Staatsoperndirektor Ioan Holender nennt die Wiener Philharmoniker gern «das bes­te Opernorchester der Welt». Nicht alle freilich teilen seine Meinung, speziell hinsichtlich der Darbietungen im Opern­alltag. Schuld an der gelegentlich hörbaren Unlust der Musiker seien, heißt es, deren Unterdotierung sowie das leidige Rotationsprinzip und, damit verbunden, auch jenes...