Geschwärzte Herzen
Mit ungeheurer Brutalität steigt Verdi in seinen «Otello» ein, mit Lärm statt Wohllaut: Donner, Blitz, sturmgepeitschtes Meer. Otellos Segelschiff steht kurz vor dem Kentern, die Leute im zyprischen Hafen sind panisch oder zynisch, wie Jago, der von Anbeginn die Fäden für den Untergang des venezianischen Generals und seiner Frau Desdemona spinnt.
Von äußerem Aufruhr ist auf der Antwerpener Bühne allerdings nichts zu sehen. Keine Wellen, kein Schiff, keine Stadt. Alles ist schwarz. Aus schweren Quadern scheint der Raum gebaut.
Spärlich ist die Szenerie beleuchtet, kein Mobiliar nirgends, bis zum Schluss bleibt alles im Halbdunkel. Die Figuren huschen durch schmale, fast unsichtbare Schlitze herein, finden aber nur schwer wieder hinaus. Die von Henrik Ahr mit architektonischer Wucht entworfene Bühne ist eine Kammer des Schreckens, eine klaustrophobische Welt aus Misstrauen, Eifersucht und Intrige.
In ihrem Wahn eingeschlossen sind sie alle, Otello, Jago, Cassio, nur Desdemona sieht mehr, vermag den Irrsinn aber nicht aufzulösen. Ihr orphisch-schöner Gesang kann die geschwärzten Herzen nicht erweichen. Obwohl man es der amerikanischen Sopranistin Corinne Winters durchaus zugetraut ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Christoph Schmitz
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