Geist und Trieb
Kadmos, der Gründer Thebens, ist als König zurückgetreten. Nachfolger wird sein Enkel, der sinnenfeindliche Asket Pentheus, dem das Volk davonläuft, weil es den Orgien des Dionysos erliegt. Alle Verbote sind vergeblich, selbst Pentheus’ Mutter Agaue folgt den Verlockungen des Rauschgottes. Als Pentheus, im Gewand der Mutter, schließlich selbst den Berg Kytheron besteigt und an den sexuellen Ausschweifungen teilnimmt, hetzt Dionysos die Bassariden – die fuchsfelltragenden Mänaden – auf ihn, und er wird von Agaue, die ihn im orgiastischen Wahn für einen Löwen hält, enthauptet.
Erst am nächsten Morgen erkennt sie, dass sie ihren Sohn getötet hat. Dionysos triumphiert.
Im Libretto des Autorengespanns W. H. Auden/ Chester Kallman zu Hans Werner Henzes zweistündigem, 1966 in Salzburg uraufgeführtem Operneinakter «Die Bassariden» liest sich das recht verworren. Da wird nicht nur die antike Vorlage, «Die Bakchen» des Euripides, bis in die Moderne verlängert und der religiöse Machtkampf tiefenpsychologisch gedeutet, sondern der Text selbst von ausufernden Szenenanweisungen und Figurenbeschreibungen geradezu erdrückt. Frank Hilbrich und sein Bühnenbildner Volker Thiele ignorieren in ihrer im ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Opernsänger sollen ja so geldgeil sein. Mi-mi-mi-mi-mi-mehr-Gaaaage! Ich finde das unfair. Wir glauben nämlich, die Dirigenten kriegen zu viel Kohle. Wenn man mal die Menge Klang bedenkt, die sie in den Aufführungen faktisch beitragen. Ein Stöhnen hier, ein Grunzen da – sonst ist von ihnen doch praktisch nichts zu hören.
Aber darüber will ich mich jetzt gar nicht...
1956: einer der größten Skandale, die Bayreuth erlebt hat. Wieland Wagner inszenierte die «Meistersinger» ohne Nürnberg. Keine Butzenscheiben, kein Lokalkolorit, keine betulichen Bieder-Bürger, wie sie noch 1951 nach der Wiedereröffnung auf dem Grünen Hügel zu sehen waren. Der zweite Akt – nur eine sich nach hinten windende Pflasterstraße und eine große...
Hoch hinaus ging’s an der Lindenoper schon immer. Das gilt auch für die Kosten der Sanierung der 1792 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für Friedrich II. errichteten Hofoper. Nicht 239 Millionen Euro, wie ursprünglich verkündet, auch nicht 288 Millionen, wie zwischenzeitlich berechnet, sondern 389 Millionen Euro wird die Rundumerneuerung der Berliner Staatsoper...
