Gedankensplitter
Träume. Theater hat immer etwas von Traumwirklichkeiten. Grundsätzlich ist «Alice in Wonderland» ein Traum und ein Traumgeschehen. Insofern liegt es nahe, Carrolls Traumbuch zu dramatisieren, also in Bilder, in eine Bühnenwirklichkeit und ein handlungsstringentes Geschehen zu transformieren.
Ich denke, das Musiktheater eignet sich dafür optimal, und zwar deshalb, weil Musik in Beziehung zur Bilderwelt, zur Sprache und zum Figurenspiel eine eigene Dimension aufweist und das Geschehen in vielfältiger Weise kontrapunktieren, kommentieren, charakterisieren und auch «brechen» kann.
Man kann sich eigentlich nur wundern, dass bislang noch niemand auf die Idee gekommen war, «Alice» in ein Musiktheaterstück zu übertragen. Wir wissen, dass György Ligeti sich mit diesem Stoff beschäftigte. Unsuk Chin als seine Schülerin hat sich sicher davon inspirieren lassen und dabei vermutlich auch davon profitiert, dass sie als Koreanerin in Europa und Deutschland in verschiedenen Wirklichkeiten zu Hause war und ist.
Innovation. Wenn man mit «innovativ» bestimmte neue Materialien oder Techniken meint, dann hat Unsuk Chins Partitur keine ausdrücklichen Innovationen aufzuweisen. Was ihre Partitur ...
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Herr Pierwoß, Bremen und seine Theaterpolitik – ist das für Sie Anlass zu einem Rückblick im Zorn?
Ganz zweifellos. Vor einiger Zeit, als wir an dem Buch über meine Bremer Jahre arbeiteten, das jetzt herausgekommen ist, bin ich noch einmal detailliert meine dreizehn Spielzeiten durchgegangen. Und da sind bei mir doch viele Aggressionen wieder hochgekommen....
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke. Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie...
Herr Kehr, Sie sind seit 1996 für das Musiktheater der Schwetzinger Festspiele verantwortlich und haben dort eine «Schwetzinger Dramaturgie» übernommen, deren Philosophie darin besteht, jeden Sommer zwei Opern, die Ausgrabung eines vergessenen Werks und die Uraufführung eines Auftragswerks, im Schlosstheater zu präsentieren. Wie findet man solche Stücke wie...
