Funkelnde Attacke

Augsburg: Donizetti: Lucia di Lammermoor

Opernwelt - Logo

Auch das Augsburger Stadttheater muss empfindliche Kürzungen während der laufenden Saison verkraften. Doch Regisseurin Yona Kim, in Südkorea geboren, in Wien ausgebildet und demnächst in Stuttgart mit Chaya Czernowins «Pnima» aktiv, scheint das eher zu beflügeln.

Mit Bühnenbildnerin Etienne Pluss reißt sie für «Lucia di Lammermoor» weite, dumpf schimmernde, beunruhigende Seelenräume auf. Ein Shakespeare-Podest, das während Lucias Cabaletta nach oben klappt, ein paar historisierende Kostümzitate, eine perfekt ausgeleuchtete Szene: Das reicht.

Und schafft mit oft stilisierten Bewegungen und Arrangements eine Atmosphäre der Bedrohung, des Nicht-Eindeutigen, des Ungewissen. Ein Alptraum in 3D, in dem das weibliche (Chor-)Volk Schnurrbärte tragen muss und sich einzig Kammerdame Alisa (Stephanie Hampl) im steifen Reifrockpanzer wie ein dunkler Engel gegen die Machos behauptet. Lucia im Jungmädchenkleid ist dem Ganzen wie schutzlos ausgeliefert, bevor sie am Ende das vom Gattenmord blutige Laken wie eine Hochzeitsschleppe oder einen Krönungsmantel trägt.

Das subtilste, dank seiner kleinen Zeichen umso wirkungsvollere Donizetti-Konzept nützt wenig, wenn es nicht musikalisch erfüllt wird. Und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wie sich die Träume gleichen

Manfred Gurlitt (1890-1972) gehört zu den großen Pechvögeln der jüngeren Musikgeschichte. Sein «Wozzeck» wurde von Alban Bergs gleichnamiger Oper verdrängt, seine «Soldaten» blieben zum Zeitpunkt ihrer Wiederentdeckung im Schatten von Bernd Alois Zimmermanns ingeniöser Adaption, seine 1932 mit Max Brod erarbeitete «Nana» wurde von den Nazis verboten und erlebte...

Gestochene Akzente

Als Händel 1751 sein Oratorium «Jephta» schrieb, war die Welt des Ancien Régime noch intakt: Während dreißig Jahre später Mozarts Idomeneo abdanken wird, nachdem ihn das Eingreifen Gottes an der Opferung seines Kindes gehindert hat, ist bei Händel der himmlische Gnadenakt noch die Bestätigung herrscherlicher Autorität. Der Monarch, der die Treue gegenüber seinem...

Das Ende im Anfang

Ring»-müde? Gilt nicht für Rhein-Main. Viele Opernbühnen der Region planen den tetralogischen Kraftakt. Da werden wohl wieder beträchtliche Kapazitäten gebunden. Oder ist der monumentale Viererpack inzwischen das Normalmaß für theaterunternehmerischen Ehrgeiz? Die Zustimmung des Publikums scheint, woran ein Walter Legge noch nicht glauben wollte, absolut sicher. In...