Frühlingserwachen
Elsa gibt es zweimal, Gottfried dreimal. Oder womöglich gar viermal? Erträumt sich die junge Herzogin von Brabant ihren Bruder ebenso wie ihren Ritter – als Retter aus der Erziehungshölle? Claus Guth stellt in seinem Lohengrin an der Mailänder Scala Wagners Werk von den Füßen auf den Kopf. Das kalkulierte, das rationale Böse, so seine Grundannahme, ist doch in Wahrheit viel gefährlicher als Aberglaube und Zauberei. Also verkörpert Ortrud bei ihm nicht die heidnische Welt, die vom Christentum bezwungen werden muss, sondern den Intellekt, das zielgerichtete Vernunftdenken.
Ausstatter Christian Schmidt hat den Innenhof einer Kaserne auf die Scala-Bühne gestellt, drei Etagen hoch, in der charakteristischen Stahlskelettbauweise des späten 19. Jahrhunderts. Inmitten der Säulenumgänge steht ein Klavier, das Symbolinstrument des bildungsbürgerlichen Zeitalters. In strenges Schwarz gekleidet, geben Telramund und Ortrud die Regeln vor: Pünktlichkeit, Reinlichkeit, Gehorsam. Wenn Elsa, mal als junge Frau, mal als Mädchendouble, an die Tastatur muss, um Etüden zu pauken, steht Ortrud neben ihr und korrigiert unerbittlich den Knickwinkel der Handgelenke. Eine grausame Gouvernante. Elsa aber ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Frederik Hanssen
Bei Premierendaten Angabe der
Namen in folgender Reihenfolge:
Musikalische Leitung, Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme - Solisten
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
Mat. = Matinee
N. = Nachmittagsvorstellung
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44, 0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
> Händel, Ariodante: 3. (P), 9., 16., 23. (Halász, Pataki)
> Superflumina: 14.
> 3....
Bergamo, Teatro Donizetti, Anfang Dezember. Ein singuläres Theaterereignis. Und gleich mehrere Gründe, sich die Augen zu reiben. Ein Menschenalter hat es gedauert, bis Aldo Finzis einzige Oper zum ersten Mal gegeben wird. Für den hochbegabten, polyglotten Abkömmling einer jüdischen Familie aus Mantua, der 1897 in Mailand zur Welt kommt, ein Musikstudium am...
Irgendwann hatte man in Rom von den Opernscharmützeln im fernen Süden offenbar genug. Am 4. Dezember 2012 griff der italienische Kulturminister Lorenzo Ornaghi durch und ernannte Fabio Carapezza Guttuso, einen hohen Staatsbeamten und Präfekten, zugleich Adoptivsohn des verstorbenen Malers Renato Guttuso, für zunächst sechs Monate zum kommissarischen...
