Friedhofsruhe
Parma versteht sich als Verdi-Stadt, wenn nicht gar als Verdi-Stadt par excellence. Dabei hat der Komponist nie dort gelebt. Keine einzige seiner Opern kam dort zur Uraufführung. Gewiss: Verdi wurde in einem Dorf geboren, das zur Provinz Parma gehört. Aber über ein halbes Jahrhundert lang residierte er auf dem Landgut Sant’Agata in der Provinz Piacenza, ökonomisch war seine Hacienda – wie schon Busseto, das Städtchen seiner Schulzeit, – nach Cremona orientiert.
Parma: ein Festival ohne Profil
Auch wenn es Nicht-Parmigiani vielleicht schwer nachvollziehen können: Parma ist sehr stolz auf «seinen» Verdi. Und leistet sich deshalb ein «Verdi Festival». Als Formel hat sich in den letzten Jahren ein mehrwöchiges Programm im Oktober mit je drei bis vier Aufführungen von zwei Neuinszenierungen im – wunderschönen – Teatro Regio eingespielt. (Eröffnet wurde dieses Haus 1829 als Teatro Ducale, mit einer Bellini-Uraufführung. Obwohl Parma nie die Residenz eines Königs gewesen ist, wurde das Theater 1849 in ein «königliches» umgetauft; eine plausible Erklärung ist nicht zu finden.)
Dieses Festival zieht manch ausländischen Besucher in die Stadt mit ihren atemberaubenden Kunstdenkmälern – übrigens ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Essay, Seite 54
von Anselm Gerhard
Im internen Ranking der Verdi-Opern nach Aufführungshäufigkeit steht «Macbeth» nicht ganz oben. Die letzte Neuproduktion der Wiener Staatsoper vor jener heiß umstrittenen durch Vera Nemirova im Dezember 2009 stammte aus dem Jahr 1982. Und jetzt, nach bloß sechs Jahren (und knappen fünf unter Dominique Meyer) bereits wieder eine Neuinszenierung. Warum? Weil die der...
Opernsänger sollen ja so geldgeil sein. Mi-mi-mi-mi-mi-mehr-Gaaaage! Ich finde das unfair. Wir glauben nämlich, die Dirigenten kriegen zu viel Kohle. Wenn man mal die Menge Klang bedenkt, die sie in den Aufführungen faktisch beitragen. Ein Stöhnen hier, ein Grunzen da – sonst ist von ihnen doch praktisch nichts zu hören.
Aber darüber will ich mich jetzt gar nicht...
Das Streichersextett spielt die ersten Akkorde, da zerreißt ein Heulton den kammermusikalischen Wohlklang. Fliegeralarm, wie üblich. Die Musiker tragen ihre Geigen und Celli gelassen Richtung Bunker, der Hausdiener klappt routiniert den Deckel des Spinetts zu und wartet die Bomben ab. Wir befinden uns im Jahr 1942, zur Zeit der Uraufführung von Richard Strauss’...
