Freunde, kommt ins Offene!
Der Racheengel trägt Rot: giftig glühendes Scharlachrot. Auf den Lippen, über den Knien, um Schultern und Hüften. Kühl-mondän, einen Hauch verwegen präsentiert sich die Pariser Kinobesitzerin Emmanuelle Mimieux in ihrem delikat dekolletierten Kleid an diesem Abend, der für sie die einmalige Chance bereithält, ihre von den Nazis hingeschlachtete Familie zu rächen. Nicht eine Sekunde hat die junge Frau, deren wahrer Name Shosanna Dreyfus lautet (und die von Mélanie Laurent unvergleichlich gut gespielt wird), vergessen, was vor drei Jahren geschah.
Nun will sie nur noch eines: die Täter auslöschen. Der Preis ist hoch, sie liebt ihr Kino. Aber Shosanna kann nicht anders, sie muss das Unvermeidliche tun. Also setzt sie das Gebäude in Brand, mit Hilfe ihres Partners Marcel (Jacky Ido). Die Glut seiner Zigarette ist es, die, während drinnen der Propagandastreifen «Stolz der Nation» läuft, in den Haufen von Nitrofilmbändern fällt und jenes Inferno in Gang setzt, dem die gesamte Nazi-Prominenz zum Opfer fällt: Hitler, Goebbels, Göring, Bormann. Aber auch sie selbst, Shosanna Dreyfus alias Emmanuelle Mimieux, stirbt.
Das Kino steht heute noch. War ja nur ein Film. Allerdings ein brillant ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Jürgen Otten
Das Bild passt zur Musik. Vor dem Spiegel, im Totenhemd, die kahle Sängerin, ein Gespenst: Marie. Hinter ihr Paul, der Witwer, «in höchster Erregung» (Regieanweisung), aber noch höherer Verwirrung, dem Tod ins Auge blickend: Einen Tritonus hinauf springt sein Ruf, vom zweigestrichenen es zum a, aber er gilt der falschen Frau: «Marietta». Die abfallende kleine...
arte
01.01. – 18.15 Uhr
Neujahrskonzert 2020 aus dem Teatro La Fenice
Auf dem Programm: Arien und Ouvertüren von Verdi, Puccini, Offenbach und Nino Rota. Zum 17. Mal findet in Venedigs berühmten Opernhaus das traditionelle Neujahrskonzert statt. Auch diesmal wird der zweite Teil des Konzertes, der dem großen Opernrepertoire gewidmet ist, für das Fernsehen...
Der Monolog aller Monologe, er kommt schon kurz nach Beginn – nicht wie bei Shakespeare erst im dritten Akt. Als wollte Brett Dean die größte Herausforderung gleich am Anfang in Angriff nehmen. Ein Befreiungsschlag? Nun ja. Was Hamlet da murmelt, ist allenfalls ein verstümmelter Monolog, mehr lakonische Feststellung als Frage: « ... or not to be». Als müsse er zur...
