Freiräume lassen
Als Fahnenflucht, jetzt, so kurz vor der Generalsanierung, möchte er seine Entscheidung nicht verstanden wissen. Die Sache mit der zentrumsnahen Interimsspielstätte ist schließlich geklärt, die Finanzierung ohnehin, der nächste Spielplan auch. Bodo Busse kann also zum Herbst beruhigt die Saarbrücker Intendanz übernehmen. Etwas früher als geplant, am Landestheater Coburg regiert zwischenzeitlich ein Direktorium. Dass der «Parsifal» kurz vor Ende von Busses Ära ein finales Ausrufezeichen setzt, war also ursprünglich nicht beabsichtigt.
Wohl aber, das 550-Plätze-Haus wieder ein Schwergewicht stemmen zu lassen. «Wir erzielten immer dann überregionale Aufmerksamkeit, wenn wir Dinge taten, die man uns nicht zugetraut hat», sagt Busse. Wie im Falle von «Lohengrin», «Rosenkavalier» und «Tristan» – und jetzt eben von Wagners Erlösungsepos, das freilich dank des zügigen, zugespitzten Dirigats von Roland Kluttig ohne epische Längen auskommt. Der GMD bietet keinen Weihrauch, sondern Clarté, die Tempo-Relationen sind logisch, die Verwandlungsmusiken ragen wie unbehauener fränkischer Schiefer aus dem Graben. Kluttig kennt die Akustik und sein Orchester. Ein Ausschwingen der Phrasen würde nicht ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Markus Thiel
Im Gedächtnis der Opernfreunde wird Manfred Jung, der am Karfreitag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstarb, vor allem als Siegfried in Patrice Chéreaus sogenanntem «Jahrhundert»-Ring bleiben, der auch in einer Filmversion vorliegt. Bayreuth war seine künstlerische Heimat, in der er über ein halbes Jahrhundert in verschiedenen Funktionen...
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse...
John Troutbeck ließ sich nicht erweichen. Als der Priester daran ging, Antonín Dvořáks Kantate für Soli, Chor und Orchester «Svatební Košile » ins Englische zu übertragen, änderte er den Titel. Aus den «Brauthemden» wurde kurzerhand «The Spectre’s Bride», zu Deutsch: «Die Geisterbraut», und dies zu Recht. Der Titel passt weit besser zu jener schaurig-moralischen...
