Frei durch Disziplin
Sind «Figaro», «Don Giovanni» und «Così» so etwas wie die Dreifaltigkeit des Musiktheaters – drei Einheiten, die ein Ganzes bilden?
Zunächst einmal sind diese drei Stücke die größten Meisterwerke der Operngeschichte. Es gibt nichts Vergleichbares. Warum? Weil es die beste, die modernste Musik ist; und weil hier das Allgemein-Menschliche auf absolut zeitlose Weise dargestellt wird.
Diese Opern sind wie ein philosophisches Traktat, in dem die Kernfragen des Menschseins beleuchtet werden, von der Ur-Schuld im Sinne Adams über die menschlichen Triebe, die vielfältigen Facetten der Liebe bis hin zur Bedeutung der persönlichen Freiheit.
Wie bringen Sie diese gewichtigen, bohrenden Fragen mit der spezifisch Mozart’schen Leichtigkeit in Einklang?
Das ist in der Tat ein Paradoxon: Mozart ist so ungemein tiefsinnig im Umgang mit den Themen und Problemen, die in seinen Opern thematisiert werden, und gleichzeitig gibt es bei ihm diese spielerische Komponente. Er macht Komödie für alle, und zugleich gestattet er jedem, dahinter weiter zu forschen und sich mit allen existenziellen Fragen zu beschäftigen. Für mich ist er der Gegensatz zu Richard Wagner. Wagner möchte ungemein ernsthaft und ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Christoph Vratz
Ein Broadway-Klischee jagte das nächste, kaum ein Witz, der dem Publikum einen matten Lacher entlockt hätte: Die Neuproduktion der «Fledermaus» von Jeremy Sams (Regie) und Douglas Carter Beane (Neufassung des Librettos) an der New Yorker Met besaß, man kann es nicht anders sagen, den Charme eines misslungenen Soufflés. Obendrein servierte sie, (kultur-)historisch,...
Bravsein ist kein Vergnügen. So jedenfalls empfinden es Wendy (Yuko Kakuta), John (Daniel Kluge) und Michael (Josefin Feiler), die Kinder der Familie Darling, im keimfreien Ikea-Schlafzimmer, das Duncan Hayler (von dem auch die fantasievollen Kostüme stammen) mit liebevoller Ironie auf die Bühne des Stuttgarter Opernhauses gestellt hat. Dort spielen sie unter der...
Er ist ein unsympathischer Held, dieser Phaéton. Selbstverständlich haben Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault in ihrer letzten mythologischen Oper die Fabel aus Ovids «Metamorphosen» mit einer Liebesgeschichte dekoriert. Doch zum Liebhaber taugt der Bastard des Sonnengottes rein gar nicht. Théone lässt er links liegen, als sich die Gelegenheit...
