Flachrelief
Im November 2010 hatte Jakob Peters-Messer die traurige Ehre, die letzte Produktion der Opera Ireland zu betreuen, bevor die Company sich gezwungen sah, den Musiktheaterbetrieb einzustellen. «Tosca» stand damals auf dem Programm. «Liebe und Kunst haben in Zeiten tödlicher Politik keine Chance», fasste ein Kritiker die Botschaft der Inszenierung zusammen, die mit dem Theater Lübeck koproduziert worden war und dort im Mai anlässlich eines Puccini-Zyklus noch einmal zu sehen ist.
Vorhang zu, Oper tot – mit Floria Tosca war das gesamte irische Ensemble von der Brüstung der Engelsburg gesprungen.
In Chemnitz zeigt der Regisseur nur ein Abziehbild der Oper. Nahezu auf zwei Dimensionen reduziert der erste Akt: Für die Sänger bleibt nur ein schmaler Aktionsstreifen an der Rampe frei. Dahinter steht ein Stahlgerüst: ein vergrößertes Gemälde der Art-Déco-Malerin Tamara de Lempicka. Das «Portrait von Marjorie Ferry» zeigt eine Frau mit gelben Tagliatelle-Locken im Rückenakt und bleibt der deutlichste Zeitbezug einer Inszenierung, die sich historisch nicht festlegen lässt. Liebe und Kunst in Zeiten tödlicher Politik – wir hören sie, aber wir sehen sie kaum. Die Ökonomie der musikalischen Mittel ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Martin Morgenstern
Eine Produktion im Zeichen des Abschieds: Intendant Johannes Reitmeier schenkte sich und dem Publikum zum Finale die Kaiserslauterner Erstaufführung (!) des «Parsifal». Wie gut das Haus bestellt ist, das der 49-Jährige bei seinem Wechsel nach Innsbruck hinterlässt, zeigt ein Blick auf die vier abschließenden Musiktheater-Produktionen: neben Wagners...
«Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende», lautet der 13. Vers des 22. Kapitels der Offenbarung des Johannes. Auf ihn bezieht sich der Titel «… 22,13 …», den der 1964 in Paris geborene Mark Andre seiner 2004 entstandenen «Musiktheater-Passion» gegeben hat. Andres Apokalypse ist eine leise. Eine extrem leise sogar – mit vielen...
Die Premiere wurde live auf BR Klassik übertragen und stand unter keinem guten Stern: Beide alternierenden Solistinnen für die Rolle von Wilhelm Tells Sohn Jemmy waren indisponiert. Michaela Maria Mayer spielte immerhin, aus dem Graben sang Einspringerin Claudia Braun, die aber nicht alle Arien der fast immer anders gekürzten Oper kannte, so dass im Schlussakt...
