Fieberanfälle
Die Aufführung von Giuseppe Verdis «La traviata» bei den Salzburger Festspielen wirft nicht ganz unwichtige Fragen zum Thema Kulturbetrieb auf.
Eine Frage könnte beispielsweise lauten: Kann eine Opernproduktion, die ein fast schon absurder medialer Vorabrummel begleitet, überhaupt irgendwie kritisierbar oder gar schlecht sein? Wenn Zeitungen, Illustrierte, Fernsehen die Stars schon im Voraus in den Himmel heben, verbietet sich dann nicht jede Kritik an ihnen von allein? Und wenn am Ende der Salzburger Premiere in den ersten Reihen die Leute spontan zu einer Standing Ovation aufspringen und die hinter ihnen Sitzenden zwingen, Gleiches zu tun, darf bei so viel echtem oder auch nur eingebildetem Enthusiasmus ein Misanthrop, der das alles nicht so gewaltig findet, einfach rausgehen, ohne angemurrt zu werden? Das Umfeld der Salzburger «La traviata»-Premiere trug jedenfalls alle Züge des Hysterischen, und die Ursache der Hysterie lässt sich mit zwei Namen benennen: Anna Netrebko und Rolando Villazón.
Nun gehört es ja zur Geschichte der Oper insgesamt, dass begeisterte, heute würde man sagen: Fans der Primadonna die Pferde ausspannen. Man sollte also den Salzburger Festspielfieberanfall, ...
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Wer Robert Dean Smith nicht bei seinem Tristan-Debüt in Bayreuth und auch nicht im Rundfunk erlebte, kann dies nun auf der bei Oehms Classics erschienenen Best-of-CD nachholen. Dass das Vergnügen nicht so ungetrübt ist wie auf der Festspielbühne, liegt einerseits daran, dass sich die Stimme in der Bayreuther Akustik leuchtender entfaltete, dort wie die von James...
Das Théâtre du Grand Saint-Jean bringt eine Prise Glyndebourne nach Aix. Zwanzig Autominuten vor der Stadt liegt ein idyllisches Landgut, man promeniert unter alten Alleen und kann vor der Aufführung picknicken. Gespielt wird im Innenhof, dessen maroden Charme Ivan Theimer in seine Ausstattung des «Barbiere di Siviglia» einbezieht. Fünf verschiebbare Wände genügen...
